Desillusionierung
Wenn ich bestimmte Musik höre, bin ich wieder Jugendliche: möchte mit der Musik verschmelzen, verbrennen, vergehen – nicht einfach so weiter machen.
Im Grunde besteht das Leben ab einem gewissen Alter (schwankend) nur noch aus Desillusionierungen. Was erwartete ich als junger Mensch vom Leben – oh mein Gott!
Die erste Reise nach Indien: es war für mich damals ein Märchenland, ich war voller Euphorie – ich wollte trotz grässlicher Krankheiten nie nie zurück nach D. Die Unterwasserwelt, welches Wunder, ein Dschungel mit glitzernden Bergen und tiefen Tälern, phantastischen, farbenprächtigen Geschöpfen – ich wurde regelrecht süchtig danach, bin ganz alleine stundenlang weit draußen im Meer geschnorchelt und getaucht. Dann traf ich den Walhai, der zwar harmlos ist mir aber Angst machte, dann den Portuguese Man-Of-War, eine Art Feuerqualle, die bis zu 25 m lange Tentakel hat, kommt man mit ihr in Berührung, umschlingt sie einem in Sekundenschnelle, lässt zwar schnell wieder los, da sie merkt, dass man nicht das Richtige für sie ist, doch erleidet man Höllenschmerzen, sieht überall wo sie einem umschlungen hat wie ausgepeitscht aus: ich hatte nie größere Schmerzen! Später dann, noch viel schlimmer, die zunehmende Zerstörung der Riffe.
Das wichtigste ist, glaube ich jedenfalls, dass man eine Leidenschaft hat. Etwas, das einem immer zieht, das alles andere verblassen lässt, einem über alles hinwegtröstet. Leider, leider bin ich völlig untalentiert. Meine größte Leidenschaft ist die Liebe, die zweite war das Reisen, doch ich merke, je älter ich werde, es reicht nicht, und ich merke auch, dass ich nicht die Kraft habe das Altern wegzustecken, mich abzufinden. „Altern ist nichts für Weicheicher!“
Meine Schwester meint: jedes Alter hat doch seine schönen Seiten, blabla…
Nein! Alles wird immer weniger, man sieht immer schlechter, irgendwann hört man dann auch schlechter, verliert Zähne und Haare usw. usf. Manchmal, wenn ich schlecht geschlafen habe und morgens in den Spiegel schaue, denke ich: wie ein bösartiger Maler, der sein schönes Gemälde zerkratzt hat und zerstören will. Ich kann das (noch) nicht akzeptieren, benehme mich meistens wie eine Jugendliche, vergesse mein Alter völlig, bin überrascht, wenn ich in den Spiegel schaue…
A wurde als Kind dafür gelobt, dass er sich so gut ausdrücken und schon früh schreiben und lesen konnte, sich alleine beschäftigte, nicht laut war.
Ich wurde als kleines Mädchen, was meine Mutter sehr gestört hat, immer nur für mein Aussehen gelobt: „Sieht die süß aus, das wird ja mal ne tolle Frau“, so die Freunde meiner älteren Brüder oder Onkels und andere männliche Verwandte. Meine Mutter war recht kalt zu mir, ich kann mich nicht erinnern, dass sie mich jemals gestreichelt oder auf den Schoß genommen hätte. Am meisten habe ich meine zehn Jahre ältere Schwester geliebt, und liebe sie heute noch.
Was unser jetziges Engagement betrifft, fühle ich mich auch nur als Mitläuferin, weißt nicht genau, was ich eigentlich will, unterstütze A in allem, habe aber oft das Gefühl: es ist nicht meins!
„Wenn es darum geht, mich selbst unglücklich zu machen war ich schon immer die Beste“ aus dem Blog Missgeburt geklaut, ich könnte es aber nicht besser ausdrücken, passt sehr gut auf mich!
Kiezfest
Das Hornstraßenfest gestern war netter als ich erwartet habe, da I und M letztes Jahr dort waren und es ziemlich dröge nannten, hatte ich eigentlich überhaupt keinen Bock drauf, aber da es ja schon angemeldet war, musste ich auch hin. I und M haben Freitagnacht noch schnell ein großes Transpi gemalt, kam echt gut, vor allem konnten die Leute schon von weitem lesen, mit wem sie es zu tun haben.
Das Fest war dafür, dass ja gestern auch die große Demo „Freiheit statt Angst“ war – auf die wir auch gerne gegangen wären – ziemlich gut besucht. B hat, ebenfalls Freitagnacht, noch schnell vier Poster fertig gestellt und Samstagmorgen drucken lassen, die 2. Auflage Flyer hat er auch rechtzeitig korrigiert und bestellt, und sogar die Mitglieds-Formulare mit der neuen Adresse versehen – also in letzter Minute alles super hingekriegt. Unser Stand sah nicht schlecht aus.
Für die Kinder hatten wir diesmal die Piepshow „Jäger der Nacht“, die fast noch mehr Zuspruch erhielt als die über Singvögel: es mussten Fledermäuse und Eulen erkannt werden. Die Namen sind Bildern zuzuordnen, bei Bild und Namen muss gleichzeitig ein Knopf gedrückt werden, und wenn es richtig ist, ertönt ein Piepton.
Wir dachten erst, ist doch viel zu schwierig, doch wir haben uns getäuscht, die Kinder kannten erstaunlich viele Fledermäuse und Eulen, jedenfalls mehr als die Erwachsenen, die nicht weniger begeistert mitmachten. Selbst Kleine, die noch nicht lesen konnten – ich hab ihnen die Namen vorgelesen – wussten ganz gut bescheid. Ich hatte auch kleine Preise vorbereitet, dummerweise nur Sachen für Mädchen, für die Jungs gab’s nur Süßigkeiten. Ein Junge, der fast alles richtig geraten hatte, wollte den Preis für seine Schwester. Er war sehr kritisch, und überlegte lange, welches Armband wohl zu ihr passen würde, schließlich entschied er sich für ein schmales Silberkettchen mit rosa Steinen.
Ansonsten konnten wir paar gute Gespräche führen, viele Flyer verteilen, ich habe eine alte Bekannte wieder getroffen, Ströbele, Schulz und Böhning kamen vorbei. Ströbele und Schulz brauchen wir nichts mehr zu erzählen, doch Böhning haben wir zugetexet. Mal schaun, ob er was für uns tun kann. Für einen SPDler ist er eigentlich ganz sympathisch.
Leider mussten wir gegen 19:30 schon zusammenpacken, da die Stände um 20 Uhr abgebaut werden sollten, warum auch immer. Das Fest ging zwar noch bis 22:30 Uhr, da uns aber die Musik nicht gefallen hat, auch gab es kein vegetarisches Essen, haben wir unseren Krempel auf die Fahrräder gepackt und sind nach Hause geradelt.
Die Nacht, allein zu zweit, war noch wunderschön – nach 7 Uhr ins Bett…
Morgen geht’s zur Podiumsdiskussion in den RAW-Tempel, den Politnics ein paar Fragen stellen!