Ereignisreiche Tage

Juni 23, 2009 at 17:48 (BürgerInnenbeteiligung, Frust, Liebe, Reisen, Rückblicke, Schauplätze) (, , , , , , , , , , , , )

Montagnacht, 23:58 Uhr

Vergangene Woche war total stress- und arbeitsreich, und seit Donnerstagnacht ist A krank. Doch im Gegensatz zu mir, macht er wenig Aufheben davon. Ich erinnere mich jetzt, wie ich mal auf Reisen dachte (A war sehr krank, hatte hohes Fieber, schlimme Ohrenschmerzen und hustete bellend, er lag abgemagert mit riesigen fiebrigen Augen, seine lange Mähne auf dem Kissen ausgebreitet, auf einer harten indischen Matratze.), A ist der schönste und anspruchsloseste Kranke, den ich je erlebt habe.

Freitagnachmittag sind wir zum Gleisdreieck geradelt und haben der Eröffnung des Naturerlebnisraums (NER) beigewohnt – ich möchte das Drama nicht beschreiben, da A dies schon ausführlich tut – ich bin nur überaus froh, da ich, mittlerweile zum Stadtmenschen mutiert, nicht auch noch ein Stadtkind in die Welt gesetzt habe. Vom Gleisdreieck sind wir zur Michaeliskirche geeilt, wo unser BM persönlich die Bürgerveranstaltung zur Umgestaltung des Döblinplatzes leitete. Danach redeten wir noch lange in einer zugigen Ecke vor der Kirche mit BI-Mitgliedern. Wir sind bei sonnigem Wetter (24°) losgeradelt, doch mittlerweile war es sehr kühl und windig, und wir beide, wie oft, viel zu dünn gekleidet. Ich machte mir die ganze Zeit Sorgen um A…

Unverhältnismäßig

Unverhältnismäßig

Samstag sind wir dann natürlich, na was wohl, zum Tempelhof squat. Wir waren etwas spät dran, da A mit seinem niedrigen Blutdruck und nun auch noch krank einige Anlaufschwierigkeiten hatte, doch mit Medis voll pumpen wollte er sich nicht, ich hab sie genommen – zur Vorbeugung, haha! So gegen 16 Uhr stehen wir zwischen den Massen vor dem Zaun, und als erstes sehe ich unseren Ströbele: auf sein Rad gestützt, umringt von Journalisten. Er wirkt mit 70 Jahren so frisch und agil, echt irre! Doch was ich später am Platz der Luftbrücke und anderen Stellen so alles erleben durfte, hat mich doch mächtig erschreckt. A war ja früher oft auf Demos und hat so einiges erzählt, doch ich habe so was noch nie so nah mitgekriegt, z. B. wie eine ganze Horde gepanzerter PolizistInnen sich auf ein dünnes, schwarz gekleidetes Girl knien und sie mit nach hinten gedrehten Armen wegschleifen. Ein kräftiger Bulle ist gegen meine Schulter gerannt, die heute noch schmerzt, nur weil ich zufällig im Weg stand. Für mich war es ein aufregender Tag, doch ohne befriedigendes Ergebnis. Wie auch, war ja wirklich sehr naiv, von den Squat-Leuten, monatelang anzukündigen, dass sie über den Zaun wollen. Ist doch klar, dass die Polizei sich gut organisiert hat. Außerdem was wäre denn passiert, wenn es wirklich einer geschafft hätte? Auf der anderen Seite des Zauns war die Polizeipräsenz auch nicht unerheblich, und Hunde liefen frei herum – also weit wäre niemand gekommen.

Sonntag hat A angefangen die ganzen Events, Sitzungen, Veranstaltungen für den Blog aufzuarbeiten – armer A – er sitzt jetzt immer noch dran! Wir waren gestern nur mal kurz draußen, Falafel und Humus essen – hat A nicht gut vertragen – und heute habe ich endlich meine Krone bekommen: super, ein schönes Gefühl, die Zahnreihen sind wieder geschlossen.

Die beste Antifaltencreme!

Wie wunderbar leicht ist das Leben zu ertragen, wenn A und ich harmonieren, vor allem auch sexuell (was ich manchmal, je nach Stimmung, nicht wahrhaben will). Fast alles geht mir dann leicht von der Hand, ich könnte fast trällern, noch nicht mal der Regen stört mich. Ich bin heute, als ich vom Zahnarzt kam, bei strömendem Regen langsam nach Hause gelaufen, froh, gleich wieder bei A zu sein, und ihm meine Banalitäten vom Zahnarzt erzählen zu können. Alles sieht schöner aus, sogar unsere nun doch schon sehr unordentliche Wohnung. Ich hoffe sehr, dass ich Morgen wenigstens den Anfang einer Grundreinigung hinkriege. So kann ich jedenfalls keinen Besuch mehr empfangen! Sehr groß ist meine Hoffnung jedoch nicht, da wir heute wieder sehr spät bzw. früh ins Bett kommen: es ist schon 1:28 Uhr und A ist noch lange nicht fertig.

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