Alternde Möbel
Eigentlich müssten wir ja auch mal paar Möbel kaufen, wenn ich mich so umschaue: unsere sind z. T. schon jämmerlich alt. Wenn ich z. B. unsere Waschmaschine kritisch betrachte: sie hat schon einige Kratzer und die Arbeitsplatte hat Ränder von Gläsern, Töpfen, was weiß ich, außerdem ist sie vom versehentlichen Verschütten diverser Flüssigkeiten ganz dunkel geworden. Da kann ich wienern wie ich will, bleibt so.
Sie sieht nicht mehr wirklich schön aus, doch sie funktioniert seit 15 Jahren ohne Probleme. Nur einmal, da war sie allerdings noch ganz jung, und wir waren auf Reisen, verweigerte sie, als meine Schwiegermutter sie benutzen wollte, den Dienst, wollte einfach nicht schleudern. Ich weiß nicht was los wahr, jedenfalls wurde sie zur Reparatur gebracht, Schwiegermama musste 330 DM zahlen. Doch seither läuft sie perfekt und Wasser spart sie auch! Tja, warum sollten wir dann eine neue kaufen? Wir kriegen doch auch Kratzer und Risse vom Leben, also warum nicht auch eine Waschmaschine. Ich finde es sowieso immer lächerlich, wenn 80jährige Leute in superneuen modernen Wohnungen leben. Wenn ein alter Mensch sich nach solchen neuen Dingen sehnt oder Abwechslung in der Möblierung gut findet, kann er das natürlich machen, doch ich finde es durchaus angebracht, wenn die Gegenstände mit den Menschen altern dürfen und nicht gleich entsorgt werden, wenn sie nicht mehr glänzen.
Auch wenn diese Sichtweise natürlich ökonomisch nicht korrekt ist und uns weiter in die Krise treibt, zeigt dies doch nur, dass unser System krank ist und wir uns endlich gemeinsam an die konkrete Erprobung von Alternativen machen müssen, damit wir es vielleicht noch rechtzeitig entsorgen können.
Rad-Skater-Demo
Phantasievolle Fahrrad- und Skaterdemo gegen den Ausbau der A-100
Gestern bei wunderbarem Wetter, sehr sonnig aber niedrige Temperaturen, haben wir bei der Rad-Skater-Demo mitgemacht. Abgesehen davon, dass es mir ein persönliches Anliegen ist, da wir unmittelbar davon betroffen wären, hat es auch Spaß gemacht, ganz locker und langsam, ohne von Autos bedrängt oder durch ihren Gestank belästigt zu werden, eskortiert von Polizisten auf Motorrädern, durch die Stadt zu radeln. Leider habe ich gleich am Anfang A verloren, aber dafür andere Bekannte getroffen. Als A mich dann endlich gefunden hatte, übergab ich ihm die Kamera und somit waren die 21 km komplett stressfrei für mich, nette Unterhaltung hatte ich durch Ch, ein Vorstandsmitglied unseres Baumschutzvereins, mit dem ich fast die ganze Zeit zusammenblieb, während A ab und zu auftauchte.
Die Demo startete um 15 Uhr am S-Bhf. Treptow, wir fuhren über Elsenbrücke, Strahlauer Allee, Warschauer Straße zur Frankfurter Allee.
Auf der Zwischenkundgebung vorm Roten Rathaus sprachen sich Andrea Gerbode und Harald Moritz (BI Stadtring Süd), Franz Schulz (grüner Bürgermeister), Jutta Matuschek (die Linke), Canan Bayram (SPD) und last not least unser Ströbele gegen diese überteuerte, unsinnige Autobahn aus.
Weiter ging’s durchs Brandenburger Tor, zum Reichstag, an der Siegessäule, dem Tiergarten und Diplomaten-Park vorbei wieder zurück nach Osten bis zum Köllnischen Park zum Dienstsitz der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer zur Abschlusskundgebung. Hier warfen Kinder Packenweise Einwendungen in den kindgerecht niedrig angebrachten Briefschlitz. Einwendungen sind übrigens nur noch bis 23. April möglich!
Unter den ca. 2.000 TeilnehmerInnen waren alle Altersklassen vertreten, doch erstaunlich viele Kinder und Jugendliche. Phantasievolle Transpis waren zu sehen, eine Clown-Truppe trat auf u. v. m.
Kurz vor 18 Uhr waren wir zu Hause, machten uns schnell ein bisschen frisch, da um 19 Uhr Brückentreffen anstand.
Der Wasserdackel
Wieder mal versagt…
Eigentlich ist es viel zu stürmisch zum Schnorcheln, geschlafen haben wir kaum, doch da sich unsere Zeit in Iboih, einem Örtchen auf Pulao Weh vor der Nordküste Sumatras, dem Ende neigt, können wir keinen Tag auslassen, unserer großen Leidenschaft zu frönen.
Nachdem wir den Vormittag auf der Veranda über dem Meer mit Lesen und Schreiben verbracht haben, bereiten wir uns eine Stunde nach dem Lunch vor: Haare einölen, feste Zöpfe flechten, Leggins und langarmige Shirts anziehen, Taucherbrille einspeicheln, noch ‘ne gemeinsame Zigarette, und dann geht’s runter zum Strand. Weil wir jede Nacht schlecht schlafen, fühle ich mich müde und schlapp und zugleich nervös wie immer − man weiß ja nie, was einem so alles begegnet −, doch sobald ich im Wasser bin, durchdringt mich ein Gefühl von Kraft und Stärke, das ich sonst so nicht kenne. Wenn ich runtertauche und beim Hochsteigen die wunderbare Welt vorübergleiten sehe, überwältigen mich unbeschreibliche Glücksgefühle!
Wir schwimmen um viertel vor drei los, wollen rüber zur Nachbarinsel Rubiah und sie wie immer umrunden, alles in allem vielleicht acht Kilometer, aber heute herrscht starke Gegenströmung, und ohne Flossen geht’s nur sehr langsam voran.
Wir haben Rubiahs Strand schon fast erreicht, da sehe ich aus der Tiefe einen extragroßen Giant Trigger [= Großer Drückerfisch] hochschießen, direkt auf A zu, der knapp vor mir ist. Ich schwimme blindlings und mit verdoppelter Anstrengung rüber, taumele an Land, drehe mich um und sehe kaum fünfzig Meter entfernt A im Wasser kämpfen. Natürlich überlege ich, ob ich zurück schwimme und ihm zur Hilfe eile, doch die Angst, verletzt zu werden, ist verdammt groß. Diese Viecher, der Schrecken der Taucher, haben ein schlimmes Gebiss und können tiefe Fleischwunden verursachen oder Finger abbeißen. Ich zögere, weiß, dass ich wieder rein müsste, denke, nur noch kurz verschnaufen −: da kommt A. schon angeschwommen, schaut aschfahl aus dem Wasser. Mit schlechtem Gewissen frage ich ihn blöd, was denn los gewesen sei. Er ist mit Recht ziemlich sauer, und ich fühl mich verdammt mies. Meine Feigheit verdirbt mir den halben Schnorchelgang, muss die ganze Zeit denken: wieder mal im Stich gelassen!
Abends erzählt A, dass der blöde Wasserdackel immer wieder, wohl sechs, acht Mal angegriffen habe, mit gebleckten Zähnen vom Grund heraufschoss und, wenn A ihm entgegen boxte oder trat, blitzschnell auswich und Richtung Boden abdrehte, um sich auf halbem Weg wieder herumzuwerfen und mit erhöhter Geschwindigkeit zurückzukommen, wieder und wieder, solange bis A ihn schließlich doch mal in die Seite traf. Darauf startete der Fisch noch einen weiteren Angriff, kehrte dann aber zurück zum Grund, wo er vermutlich sein Nest hatte, und A konnte völlig erschöpft das Trigger-Revier verlassen, was er liebend gerne schon früher getan hätte, wenn da nicht die Angst gewesen wäre, dem Viech den Rücken zu kehren. Löcher ins Wasser zu hauen sei jedenfalls noch viel anstrengender als in die Luft…
An der Nordspitze − die Flut ist im Kommen − strömt es heute so stark, dass ich über die Felsen kraxele und mir dabei leicht den Fuß verknackse. A hangelt sich inmitten der Brandung um die Felsen und schafft es so, ohne das Wasser verlassen zu müssen. Wieder kriegen wir viel zu sehen, und anstrengend genug wird es auch. Wir treffen Dutzende großer Muränen, darunter zwei Leoparden, die wenig scheu sind, drei Schildkröten, genau zweiunddreißig Feuerfische, große bis kleinste Grouper, zwei Oktopusse, Kasten-, Angle-Fische und all die anderen Bekannten − und natürlich halte ich ständig Ausschau, ob nicht irgendwo ein Wasserdackel lauert. Bewundern mit Ehrfurcht und dabei zitternd um ihr Überleben bangend die einfach unbeschreiblich phantastische Wunderwelt. Denken schon wieder an den Abschied − gut drei Wochen haben wir ja noch − zählen die Tage, wie oft wir noch schnorcheln können.
Als bei einbrechender Dämmerung der Ruf des Muezzins zu uns dringt, machen wir uns an die Überquerung zurück nach Iboih. Wir haben wieder Gegenströmung und müssen uns noch mal richtig ins Zeug legen, sind erst um zwanzig nach sieben bei der Hütte − erschöpft und halb verhungert! Zum Glück haben die indonesischen Touris im Mandi nicht das ganze Wasser verbraucht, und so können wir hier oben duschen, müssen nicht auch noch runter zum Brunnen. Das ist dann immer besonders schön: frierend, überanstrengt und hungrig am Brunnen um den Embel (= Eimer) winseln − wir sollten uns wirklich mal einen eigenen kaufen.
A bestellt vorm Duschen bei Fatimah Dinner, vom Salz befreit tippeln wir bibbernd zur Hütte, ziehen uns an und wieder zurück, setzen wir uns hungrig wie die Wölfe an den Tisch. Ausnahmsweise wird auch sofort serviert, und heute ist das Essen gut und reichlich. Während des Spachtelns beschäftigen wir uns mit Salem und Daniel, den Enkelkindern von Fatimah; nach unserem Mahl setzt ihre Mutter, die mit einem Bayern verheiratet und nur zu Besuch ist, sich zu uns und radebricht ein wenig auf Deutsch mit uns. Die kurzhaarige Bayerin von der Hütte unter uns am Hang bittet um zwei Paper − wir rauchen noch eine, trinken unseren Tee und gehen zur Hütte, A bringt den Bayerinnen drei Paper. Wir rauchen, hängen ab, sind wie immer nach dem Schnorcheln recht geschafft, legen uns um 1 ins Bett. Schlaf will wegen der großen Anstrengung aber wieder nicht kommen: die Muskeln zucken, wollen keine Ruhe geben.
