Aufgewacht
Freitag, 16.01.09, 23:19 Uhr
Seit Tagen lese, versinke ich in Trophesphere (The End of Mr. Y) von Scarlett Thomas (ich träume sogar davon). Ich habe den dicken Wälzer fast durch − Wahnsinn, erinnert mich sehr an unser früheres Leben, und bringt mich wieder zur Philosophie und Geisteswissenschaft. Wie ist das Leben doch banal ohne diese. Wie kann man nur jahrelang so leben, ohne höhere geistige Ambitionen − das bürgerschaftliche Engagement oder gar arbeiten für einen Nistkastenverband macht einen dümmer! Soviel steht fest, meine geistigen Bahnen sind vertrocknet. Durch dieses irre Buch bin ich drauf gestoßen, dass ich kaum noch in meiner Gedankenwelt lebe, sie liegt brach und ich kümmere mich um die Realität (was immer das auch ist), dadurch wird man kleinlaut, hat plötzlich Angst vor dem Tod, möchte möglichst gesund leben. Auf meinen Reisen, wo ich auch viel Zeit für Philosophie und Literatur hatte, aber auch sehr gefährlich lebte, war ich schon mal weiter. Oder die Angst, hervorgerufen durch den vorzeitigen Tod meines Bruders, krank zu werden. Doch die Frage ist doch, möchte ich ein langes langweiliges Leben? Nein!!! Ich will ein buntes, interessantes und vor allem auch geistiges Leben.
Früher wollte ich unter keinen Umständen langweilige Routine, und ich bin nicht der Meinung, dass dies unabdingbar mit dem Altern einhergeht. Ich muss das nicht hinnehmen, ich will nicht so leben wie viele. A. und ich haben mit der idiotischen Arbeit bei einem Naturschutzverein fast alles aufgegeben, all unsere Zeit dort investiert − und − einen Fußtritt dafür erhalten. Ich finde, es geschieht uns ganz recht, wie konnten wir uns so vertun, dies ist doch nicht unsere Welt. Sich für die Natur einzusetzen finde ich o.k., auch ohne Geld! Aber alles darüber zu vernachlässigen ist saudumm…
„Woher kommt es, daß der Mensch mit seinem Tag so wenig ausrichtet? Er ist nie richtig wach. Wäre er nicht von Schläfrigkeit übermannt gewesen, hätte er etwas geleistet. Die meisten sind gerade wach genug für körperliche Arbeit, aber nur einer in einer Million ist wach genug, um geistig etwas zu leisten, nur einer in hundert Millionen, um dichterisch, göttergleich zu leben. Wachsein heißt leben. Ich habe noch nie jemand getroffen, der ganz wach war. Wie hätte ich ihm ins Angesicht zu schauen vermocht“?
Auf ein Neues!
Donnerstag, 08.01.09, 02:21 Uhr
Der erste Arbeitskreis im Neuen Jahr, Naturhaushalt und Landschaftsbild, liegt hinter uns. Wir kamen wie immer mit etwas Verspätung und wunderten uns, außer den Mediatoren und einer Praktikantin waren nur vier Leute da. Viel mehr wurden es auch nicht, lediglich zwei kamen noch hinzu. Vielleicht war es den Leuten zu kalt, und einige werden noch in Urlaub sein.
Die professionelle Naturschützerin Frau K. hat sich wieder mächtig blamiert, schlug immer Sachen vor, die schon längst abgehandelt wurden. Eine Anwohnervertreterin meinte schließlich: Sie sollten einfach öfter kommen! Wie peinlich! Es haben sich schon mehrmals Leute von Bezirksämtern oder vom Senat gewundert, dass ausgerechnet die VertreterInnen der Naturschutzverbände so selten anwesend sind. Frau K. beschwerte sich auch, dass ihr alles zu langsam ginge, sie hätte heute stark mit sich gerungen, ob sie überhaupt kommen solle, sie hätte auch Wichtigeres zu tun, außerdem würde der BI zu viel Raum eingeräumt. Die Mediatorin erinnerte sie daran, dass sie nicht als Privatperson hier sitze sondern eine Institution vertrete. Ich überlegte mir schon, was man sagen könne, aber als ich in die Gesichter der Anwesenden schaute, die offensichtlich sprachlos waren, sogar die Pressefrau vom WSA schüttelte den Kopf, hielt ich es für überflüssig, mir die Mühe zu machen. Ich glaube, dass Beste ist, sie einfach mit Nichtachtung zu strafen.
Wir haben schon viel erreicht und werden dranbleiben. Ja, es ist ein zähes Ringen, doch niemand hat gesagt, dass es einfach werden würde oder gar schnell gehe. Es ist eine Entschleunigung, und wir haben viel dabei gelernt. Außerdem ist es für alle Neuland gewesen!
Bis das…
Sonntag, 04.01.08, 03:35 Uhr
Hätte ich Dich nicht, würde ich Dich überall suchen.
Meine Sehnsucht nach Dir ist unstillbar.
Vier Tage ohne Dich waren die Hölle.
Wenn ich grob zu Dir bin, Dich ungerecht behandele, schmerzt es mich fast zeitgleich so sehr, dass ich mich bestrafen, verletzen möchte.
Silvester war, obwohl ich trauere, sehr schön: wir waren alleine und glücklich darüber.
Nächste Woche geht es wieder richtig los, wir wollen uns bis Montag noch ein bisschen Ruhe gönnen.
Rose trinkt nicht mehr, ist verliebt − sieht jetzt sehr gepflegt und zehn Jahre jünger aus.
Die Tage bei der Familie wurden durch die sechsjährige S und die sechsmonatige V gemildert.