Super Wetter
Dienstag, 28.10.08, 13:49 Uhr
Sitze mit Sonne im Gesicht am Compi und freue mich! Ich war gerade beim Jobcenter und meine Fallmanagerin erklärte mir, dass es mit dem ÖBS so lange dauern würde, läge an den Vereinen, letztendlich sei noch nicht geklärt, ob die Vereine selbst den Antrag stellen müssten oder ein Maßnahmeträger. Ich soll mal die Füße still halten − mach ich doch prompt!
Dunkle Zeit
Montag, 27.10.08, 00:06 Uhr
Die dunkle Jahreszeit naht mit großen Schritten, und mit Umstellung der Uhr von Sommer- auf Winterzeit noch schneller. Die kurze Zeit der Helligkeit stört mich mehr als die Kälte. Sobald es sonnig ist fühle ich mich besser, und da wir im vierten Stock Südseite wohnen, haben wir von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang eine lichtdurchflutete Wohnung, und es ist sogar nachts noch warm bei uns. Doch leider scheint ja die Sonne im Moment nicht.
Besonders unangenehm ist mir der November; wenn der erst mal vorüber ist, geht’s wieder aufwärts mit meiner Stimmung. Laut Statistik sterben im November die meisten Menschen − meine Mütterchen und A.s Mutter sind auch im November gestorben.
Ich würde gerne den November, am besten auch noch den Dezember, in Südindien verbringen, doch es wird wohl wieder nicht klappen, haben zu viele Verpflichtungen, frühestens Ende Dezember könnte was draus werden. Zu Weihnachten wäre ja auch nicht schlecht, noch so ein Scheißfest, jedenfalls in Deutschland, kommt bei mir gleich nach Geburtstagen. Silvester liebe ich, verbringe es jedoch mittlerweile gerne ziemlich ruhig, d. h. am Tag ne Rückschau halten auf das vergangene Jahr, überhaupt Zeit nehmen zum Nachdenken, so ein bisschen anhalten, nichts vorhaben, keinerlei Druck, und nachts dann feiern, aber nur mit A − ohne Alkohol, das geht auch ohne. Neujahr verbringen wir gerne lesend und zu Zweit. Am ersten Besuch zu bekommen geht gar nicht, am zweiten schon eher.
Jetzt wieder auf den Frühling hoffen! Blöd ist wirklich, dass man im Sommer immer den Drang hat, was unternehmen zu müssen − und wenn man zu Hause hockt, immer denkt, man würde was versäumen, anstatt sich einfach über den Sommer an sich zu freuen…
Mittelweg?
Donnerstag, 23.10.08, 23:43 Uhr
Wir waren tatsächlich nur vierzehn Leute bei unserer 1. Mitgliederversammlung, doch es verlief in angenehm ruhiger Stimmung. Die Vorstandswahlen haben wir auf nächstes Frühjahr verlegt, solange bleibt der alte Vorstand, immerhin sieben Leute, im Amt, doch fünf wollen sich nicht mehr zur Wahl stellen, sie können es nicht mit ihrem Job vereinbaren, kriegen es zeitlich nicht auf die Reihe und haben somit permanent ein schlechtes Gewissen. A wird sich wahrscheinlich zur Wahl stellen und mit Sicherheit auch gewählt werden; ich nicht, da mein Antrag, über ÖBS die Vereinstätigkeit finanziert zu bekommen, immer noch nicht entschieden ist.
Die 5. Redaktionssitzung zur Sanierung des Luisenstädtischen Kanals am Mittwoch, diesmal mit L vom Denkmalamt, hat auch keinen Konsens gebracht. Ein Ingenieurbüro wird nun 4 Pläne erstellen, 2 nach Vorstellungen der BI und 2 im Namen des Denkmalamts. Die BVV wird dann darüber entscheiden: klar ist jedenfalls, wenn die Grünen in Kreuzberg gewählt werden wollen, müssen sie sich auch für Grün entscheiden, sie sollten dafür sorgen, dass der Luisenstädtische Grünzug erhalten bleibt. Für die Rekonstruktion der 30iger Jahre müsste ein Großteil des natürlich gewachsenen Grüns (nicht so eine gepflanzte Gartenscheiße wie in Mitte) dran glauben. Wir hoffen noch…
Sich ständig die Frage zu stellen, ob es sinnvoll ist, sich lohnt, was wir machen, nervt und ich lasse es jetzt einfach. Wenn man nur dann etwas tun würde, wenn man vorher weiß, dass es sich auch lohnt, könnte man ja gleich das meiste lassen. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich nicht für Lokalpolitik interessiert, schon gar nicht eingemischt. Ist o.k., ich bereue es nicht, wie hätte ich auch aus der Ferne, war ja die längste Zeit in Asien, handeln können. Doch nun ist die Zeit dafür gekommen sich einzumischen, und wir werden dranbleiben und andere animieren mitzutun.
Gefühlsmäßig halte ich mich so in der Schwebe, dieses „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ meiner jungen Jahre ist vorüber! A und ich verstehen uns sehr gut, streiten uns nur noch selten, meistens müssen wir lachen, wenn sich doch so ein kindischer Streit anbahnt. Wir kennen das alles zu gut und zu lange.
Von Erfolg kann man nur sprechen, wenn die Tage und Nächte so sind, dass man sie freudig begrüßt, und das Leben einen Duft ausströmt wie Blumen und aromatische Kräuter. Die größten Gewinner werden am wenigsten gewürdigt. Die wahre Ernte meines Alltags ist etwas so Unbeschreibliches wie das Farbenspiel am Abendhimmel. Ein wenig Sternenstaub, den ich einheimste, ein Stück Regenbogen, das ich zu fassen bekam − daraus besteht meine Ernte.
H. D. Thoreau
Schwesterliebe
Freitag, 17.10.08, 22:26 Uhr
Meine Schwester Rose trinkt seit einem halben Jahr keinen Alk mehr − sie hat quasi von einem Tag auf den anderen aufgehört, ist am Telefon immer ziemlich euphorisch, fährt auch wieder Auto, was in den letzten Jahren undenkbar war. Ich habe mich zwar etwas gewundert, war aber natürlich überfroh − nun telefonieren wir wieder oft und lange, so wie früher. Gerade haben wir 1 ½ Stunden geredet, und heute ist mir ein Licht aufgegangen: sie hat immer häufiger einen S erwähnt, den ich auch kenne, nur habe ich ihn mit ihr nicht in Verbindung bringen können, da er 23 Jahre jünger ist als sie − ja, sie ist verliebt und was wohl noch wichtiger ist, er offenbar auch in sie. Da, welch ein Zufall, er direkt gegenüber dem Haus einer anderen Schwester (ich habe drei) wohnt, konnte die beobachten, wie er sie am Auto abgeholt und freudig und sehr liebevoll begrüßt hat. Jetzt weiß ich auch, warum sie auf den neuesten, mir zugesandten Fotos so gut aussieht.
Ich freue mich für sie, habe aber gleichzeitig etwas Angst, da ich weiß, dass trockene Alkoholikerinnen, besonders wenn es noch so dicht ist, Enttäuschungen schwer verkraften können. Zumal sie schon zwei Männer verloren hat, einer war 25 Jahre älter und ist krankheitsbedingt gestorben, ein anderer 18 Jahre jüngerer hat sich eine Überdosis H gespritzt. Ihren Ehemann hatte sie damals wegen dem 25 Jahre älteren verlassen.
Ich hoffe, sie genießt die Zeit mit S und denkt nicht zu sehr in die Zukunft!