Ein Jahr und mehr
Montag, 29.09.08, 01:06 Uhr
Heute ist schon wieder Forumssitzung, und da die letzte erst vor 2 Wochen war, normaler Weise finden sie im 4-Wochen-Rhythmus statt, soll sie schon um 15 Uhr beginnen und auch nur bis 18 Uhr dauern, und um 19 Uhr wollen wir ins Rathaus zur grünen Jugend, sie haben uns ne halbe Stunde eingeräumt, unser Anliegen vorzutragen. Hoffentlich sind die cool! Samstagabend haben wir uns mit zwei Vorstandsmitgliedern unseres Vereins getroffen, um unsere Vorgehensweise am Montag zu besprechen. Ein Teil der BI ist ausgestiegen und wir wollten das Verfahren ruhen lassen, um zur Besinnung zu kommen, da wir uns nicht einig werden konnten, ob es noch viel bringt oder wir an anderer Stelle agieren sollen. Nach langem Überlegen und Rücksprache mit unserem Baumgutachter haben wir uns entschieden weiterhin das Mediationsverfahren zu begleiten, doch in geschrumpfter Besetzung. A und ich werden nun die VertreterInnen für unseren Baumschutzverein stellen und auch Sitzungsgelder vom Verein kriegen − mal sehen, wie das klappt.
Unsere Kassenwartin bereitet gerade die Mitgliederversammlung vor und Neuwahlen müssen auch durchgeführt werden, einige vom Vorstand stehen nicht mehr zur Verfügung, können es mit ihren Jobs nicht vereinbaren. Über ein Jahr besteht unser Verein jetzt schon, die Zeit ist echt verrasst, doch anderseits auch nicht, wenn ich bedenke, was alles in diesem Jahr so gelaufen ist − wir haben echt viel geschafft. I hat mich heute gefragt, ob A sich zur Wahl stellt, bei mir scheidet es aus, da ich ja höchstwahrscheinlich in Kürze hauptamtlich für unseren Verein tätig werde. A hat sich noch nicht entschieden, bedeutet es doch mehr Arbeit.
Wird echt hart morgen − A schreibt am Newsletter, die Leute haben schon nachgefragt, was los sei. Es ist schon 1:30 Uhr und A ist noch lange nicht fertig und morgen nach der Sitzung gibt es Neues zu berichten. Ich könnte laut schreien, der Oktoberurlaub, den wir geplant hatten, fällt wieder ins Wasser − vielleicht klappt’s ja Weihnachten!
A kann so wunderbar schreiben − früher hat er manchmal tolle Geschichten geschrieben, hat sie aber immer irgendwann abgebrochen, weil es ihn langweilte, und ich war enttäuscht, da ich jeden Satz regelrecht verschlungen habe und mehr wollte. Oder die Reiseberichte von ihm, würde ich nie so hinkriegen, doch es ist schwierig, das aufzuarbeiten, da er damals mit Block und Stift zugange war, und um auf Reisen Papier zu sparen in so winziger Schrift geschrieben hat, dass ich es kaum entziffern kann. Wenn ich nur ein Bruchteil seines Talents hätte, würde ich nichts anderes mehr tun als schreiben. Ist doch verrückt, ich schreibe so gerne und kann es gar nicht…
Baumforum in der TFH
Donnerstag, 25.09.08, 22:57 Uhr
Abgehetzt kommen wir erst gegen ½ 12 in der TFH an, doch das Girl am Infotisch, welches uns die Namensschilder raussucht, beruhigt uns gleich, sie seien sehr verspätet. Der große Hörsaal war brechend voll und so sind wir zur Empore, hier müssen wir ne Weile auf der Treppe sitzen, da auf den ersten Blick alle Plätze belegt sind. Außerdem ist die Akustik so schlecht und Koziolek vom NGA Spandau redet zudem, wahrscheinlich wegen der Verspätung, wahnsinnig schnell, so dass ich fast nichts oder nur sehr wenig mitbekomme.
Auf Frank Rinn zum Thema Messtechnik an Bäumen bin ich sehr gespannt, jetzt will ich unbedingt mitschreiben, und bei genauerem Prüfen der Sitzreihen stellt sich heraus, dass genau auf zwei Stühlen nur Mäntel sitzen. Wir sorgen kurz für die Freiräumung und können endlich auf Stühlen sitzen und haben vor allem einen Tisch. Rinn, der ja auch dem vorherigen Vortrag beigewohnt hat, fragt als erstes, ob er gut zu verstehen ist. Ist er!
Sein Vortrag ist überaus interessant und viel zu schnell vorüber, niemand hat eine Frage, da jetzt alle zum draußen aufgebauten Büffet wollen − schade!
Quintessenz für mich als Laie: Die besten Messgeräte nützen nichts, wenn der Mensch sie nicht richtig anzuwenden und zu verstehen weiß, und vor allem nützt die beste Messtechnik nichts, wenn man den Baum nicht versteht. Wie ist das Holz der verschiedenen Bäume aufgebaut, wie die Jahresringe usw. usf.? Auch bringen die besten Messgeräte in den seltensten Fällen eindeutige Ergebnisse.
Alle Messungen haben ihren bestimmten Anwendungsbereich. Jedes Gutachten sollte gem. DIN1319 eine Fehlerberechnung haben. Bestimmen der Windlast eines Baumes: die Windangriffsfläche genauer als + – 20 % zu bestimmen ist unmöglich!
Nach der Mittagspause dürfen wir den Biologen Georg Möller erleben, der mich schon bei anderen Events, z. B. beim Naturschutztag, schwer beeindruckt hat. Das Thema: Dauerkonflikte zwischen Arten- und Naturschutz in der Baumpflegepraxis.
Von ihm kann man erfahren, wie wichtig für manche, z. T. vom Aussterben bedrohte Arten baumzersetzende Pilze sind. Es gibt 1340 Arten Käfer, Schwebfliegen, Schlupfwespen und weitere Insekten, die in irgendeiner Phase auf Alt- und Totholz angewiesen sind. Aber auch andere Tiere profitieren vom Totholz, die Spechte fressen die Insekten, die im Holz wohnen und hämmern sich Höhlen für ihre Brut in ältere und abgestorbene Bäume. Wiederum verlassene Spechthöhlen werden von anderen Höhlenbrütern wie Kleiber, Star, Dohle, Fliegenschnäpper Meise, Hohltaube und Rauhfusskauz genutzt. Auch Fledermäuse benutzen sie als Wochenstube oder Winterquartier. Also liebe Förster, lasst die umgefallenen Bäume schön liegen und wenn ihr doch einen fällen müsst, lasst den Stubben wenigstens einen Meter hoch. Sie sind wichtige und sehr selten gewordene Habitate für die Folgebelegung. Die umgefallenen Stämme oder Baumstrünke und moderndes Holz dienen Eidechsen, Blindschleichen, Molchen, Salamandern, Kröten, Ringelnattern und anderen Schlangen als Schutz, Sonnenplatz und Überwinterungsort. Außerdem sieht doch so ein Wald, wo nicht alles weggeräumt wird viel uriger aus.
So das soll genügen, ich will ja nicht den Vortrag wiedergeben (findet man im Netz alles viel besser geschildert als ich das könnte) sondern nur erzählen, was ich heute erlebt habe.
Vor der Kaffepause hörten wir den Vortrag zum Thema Brandenburger Alleenkonzept − aktueller Stand von Dr. Andreas Plietzsch − auch ziemlich erhellend.
Nach der Kaffeepause gab’s noch ne große Überraschung für uns: Beate Voskamp, im Programm unter N.N Umgang mit Konflikten im Zusammenhang mit Baum-Aktionen angekündigt, erklärte Mediation anhand des größten Mediationsverfahrens im Berliner Raum Zukunft Landwehrkanal Berlin. Das war uns natürlich alles sehr vertraut und wir konnten endlich mitreden. Doch die Meinungen und blöden Fragen der Anwesenend dazu, brachte A schier zum Rasen.
Zum Abschluss bekam jede/r eine Urkunde mit Namen, dass sie/er an dem Forum teilgenommen hat. Für mich war es jedenfalls ein lehrreicher und kurzweiliger Tag.
What Gender Is Your Brain?
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Your Brain is 67% Female, 33% Male |
![]() Your brain leans female You think with your heart, not your head Sweet and considerate, you are a giver But you’re tough enough not to let anyone take advantage of you! |
Nabelschau
Dienstag, 16.09.08, 01:25 Uhr
Jetzt, wo so langsam der Herbst angekrochen kommt, fühle ich mich wieder alt, mein Gesicht im Spiegel wirkt fremd und müde. Dieses Alter ist merkwürdig, nicht mehr jung aber auch noch nicht alt: den ganzen Sommer über habe ich geleuchtet, kaum oder nur höchst selten Gedanken ans Alter verschwendet. Wenn ich in den Spiegel schaute, sah ich ein reifes aber attraktives Gesicht mit glatter Haut und strahlenden Augen.
Oh mein Gott, wenn erst der Winter kommt… Ich bin der absolute Sommertyp, sobald ich meinen Körper so verpacken und verstecken muss, fühle ich mich unwohl. Da ich seit meinem 16. Lebensjahr das gleiche Gewicht und fast die gleiche Figur habe, zeige ich meinen Körper gerne. Mit ein bisschen Mühe, kann man die Figur lange halten, muss nicht altersbedingt einen Speckring um die Taille haben, auch keine Dellen an den Oberschenkeln oder schlabberige Arme, Hängepo und -busen − das liegt doch sehr an einem selbst. Auch gegen Altersflecken kann man was tun, nur die Falten im Gesicht kann man leider leider auch mit den besten Cremes nicht völlig aufhalten. Selbst Botox hilft nicht unbedingt, eine Freundin hat sich Botox gegen die Zornesfalten spritzen lassen mit dem Ergebnis, dass die Falten zwar weg waren aber die Stirn völlig starr war, sie konnte sie nicht mehr kräuseln, und nach drei Monaten waren die alten Falten wieder da.
Der Spiegel lügt! Wenn ich mich wohl fühle und zufrieden bin, vielleicht noch was schönes erlebt habe, sehe ich im Spiegel ein hübsches junges Gesicht − wenn ich unzufrieden bin, vielleicht noch Streit mit meinem Liebsten hatte, schaut mir aus dem Spiegel ein hässliches altes Gesicht entgegen. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich innerhalb von zwei/drei Tagen um 10 Jahre altere, ist doch unmöglich! Oder auch wenn ich mich gerade besonders sexy und schön finde, fragt mich meine Freundin warum ich heute so schlecht aussehe und umgedreht.
Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht eine spezielle Macke habe oder zu sehr vor dem Spiegel lebe. „Nabelschau“ nennt A dies und ich verberge es vor ihm, ja erschrecke mich fast, wenn er mich zu oft vor dem Spiegel erwischt.
Ich bin erheblich selbstbewusster, wenn ich mich schön finde, nützt gar nichts, wenn mir andere sagen, dass ich gut aussehe, ich selbst es aber nicht sehen kann.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
Alles hat seine Zeit
Mittwoch, 09.09.08, 23:52 Uhr
Der Countdown läuft, wir haben 2.500 Flyer bestellt und heute erwartet – sind aber leider nicht gekommen. Wenn sie morgen kommen, haben wir noch 2 Tage um sie zu verteilen (5000 haben wir schon verteilt), macht 1.250 Flyer pro Tag. Ansonsten läuft alles ganz gut: Einladung ans Forum, Presse, Politiker, Naturschutzverbände und Vereinsmitglieder ist raus. Letzte Nacht haben wir von 1 bis 4 Uhr in unserem Kiez plakatiert, war z. T. ganz witzig – so gegen 3 sind fast nur noch Verrückte oder Besoffene unterwegs, außer den Türken, die sitzen auch um ½ 4 noch auf der Straße und trinken Kaffee. A. und ich haben uns für eine Stärkung lieber zu den Türken gesetzt! Ein ca. 40jähriger Langhaariger in weinseliger Laune schenkte mir eine riesige Blume, die ich dann die ganze Zeit mit mir rumschleppen musste. Ich bin nachts gerne unterwegs, es macht Spaß mit dem Rad durch die Straßen zu brausen, wenn sie fast leer sind. Ich bin überhaupt nachts sehr gerne auf, wenn fast alle anderen schlafen − war schon immer so. Und je später es wird, desto munterer bin ich und meine Stimmung steigt.
In der neuen Zitty ist eine große Annonce von uns – wenn das Fest ins Wasser fällt, lag es jedenfalls nicht an unserer Vorbereitung. Vielleicht haben wir finanzielle Verluste, doch was soll’s!
Kommenden Montag ist die erste Forumssitzung nach der Sommerpause, wir beide haben die ganze Zeit weitergearbeitet, ohne Urlaub. Alle kommen jetzt frisch und erholt zurück und wir sind müde, doch da wo wir hinfahren wollen, ist es im Sommer zu heiß oder es regnet. Also kommt für uns frühestens Oktober in Betracht oder wir warten bis es richtig kalt ist, so können wir uns den Winter verkürzen. Ich bin recht zuversichtlich, eigentlich ist unser Leben sehr schön. Finde es auch interessant, nachdem wir schon so lange in Berlin leben, jetzt unseren Bezirk richtig kennen zu lernen. Mit dem Fahrrad erschließt sich die Stadt völlig neu, ich war ja all die Jahre nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, da hat man überhaupt keine Vorstellung, besonders wenn man so orientierungslos ist wie ich.
Alles hat seine Zeit: die Zeit für das Kennen lernen dieser Stadt ist eben jetzt erst gekommen.
Dieses ewige über sich selbst nachdenken, in sich hineinhorchen – überhaupt sich so in den Mittelpunkt stellen, ist schwächer geworden und ich vermisse es nicht. Ja, ich fühle mich gesünder beim agieren.
