Angepisst

August 28, 2008 at 2:47 (Frust, Naturschutz) (, , )

Donnerstag, 28.08.08, 00:57 Uhr

Nun gab es endlich auch Zoff mit der „Kuschel-BI“ wie wir sie bislang nannten. Es geht auch hier wieder um Banalitäten − die Gründerin der BI fühlt sich übergangen, nicht wichtig genug genommen. Dass es den Leuten immer um ihre persönliche Befindlichkeit geht ist mir so was von widerlich, am liebsten würde ich aussteigen, aus der Bürgerbeteiligung, d. h. aus der Arbeitsgruppe sind wir schon ausgestiegen, da wir leider feststellen mussten, dass die Ämter uns verarschen, überhaupt nicht ernst nehmen. Nun organisieren wir den Widerstand und werden notfalls die Bürgerversammlung, die sie klammheimlich in Workshop umgewandelt haben, sprengen. Wir machen die Öffentlichkeitsarbeit, informieren die Anwohner und haben schon Paarhundert Leute, die uns unterstützen wollen. Die Menschen wollen keine Treppen und Mäuerchen aus den zwanziger Jahren rekonstruiert haben und dafür Bäume und Sträucher verlieren.

Doch das Angepisse der BI-Mitglieder (ist in beiden BIs ähnlich) dämpft die Motivation schwer, und wir fragen uns, was wir eigentlich für Schlüsse ziehen sollen. Viele Jahre haben wir uns nur um uns gekümmert, sind gereist, hatten ein wundervolles Leben, fühlten uns frei. Wir wollten uns aber für unsere Mitwelt engagieren, z. B. in der Entwicklungshilfe o. ä.

Dann sind wir (mehr durch Zufall) bei einem Naturschutzverein gelandet und haben für wenig Geld viel gearbeitet, ja all unsere Freizeit geopfert − und wurden rausgeschmissen. Nun arbeiten wir für zwei BIs und einen Baumschutzverein ehrenamtlich, opfern wieder fast unsere gesamte Freizeit − und werden ständig angepisst. Soll uns das vielleicht sagen, kümmere dich nur um dich? Ist doch irgendwie traurig…

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Sehnsuchtsland

August 22, 2008 at 14:41 (Gedanken, Schauplätze) (, , , )

Freitag, 22.08.08, 13:25 Uhr

Während ich Werbung für unser großes Fest und die Bands (die mir überhaupt nichts sagen) mache, habe ich Sehnsucht nach Indien, dem bunten leuchtenden Indien meiner Erinnerungen − das Elend, die Anstrengung sind verblasst, und immer deutlicher sehe ich die natürliche Grazie und Schönheit indischer Menschen, ihre Unaufgeregtheit, ihre natürlichen Talente (es sind allerdings nur die einfachen, armen Menschen). Die Reichen sind z. T. verbogener als wir.

Mitte der Achtziger haben wir montagelang in Poori am Meer gelebt und jeden Abend mit dort ansässigen Fischern, Babas, die indischen Freaks, zu deren Religion es gehört, soviel wie möglich zu kiffen, einer Australierin, die einen dieser Babas geheiratet hat und schon fünf Jahre dort lebte (wenn so ein Baba heiratet, muss er seine, manchmal bis zum Boden reichenden Haare, abschneiden) und Travellern aller Nationalitäten musiziert. Einer der Inder konnte exzellent Sitha spielen, Tabla spielen und singen kann ja fast jeder dort. Ein zierlicher Typ aus Idhiki/Kerala, der seine Familie verlassen hat, was in Indien ein Wahnsinnsschritt ist, konnte besonders gut singen, Stunden hörte ich ihm verzückt zu. Ich wollte damals dort bleiben − für immer, mir graute vor Deutschland… Doch es kam anders, wir erhielten eine Hiobsbotschaft und mussten Knall auf Fall alles verlassen. Mit Tränen, Umarmungen und Küssen verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, dass wir uns auf  jeden Fall wieder sehen werden. Wir waren noch oft danach in Indien aber nie wieder in Poori…

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No Holiday

August 19, 2008 at 1:07 (Dies und Das) (, , , )

Dienstag, 19.08.08, 00:34 Uhr

Es ist keine Rede mehr von Urlaub − was ist das überhaupt? Eigentlich haben wir so was noch nie gemacht, wir sind gereist oder haben gearbeitet. Februar 2006 haben wir zum ersten mal so was wie Urlaub gemacht, fünf Wochen in Nordindien, d. h. nicht selber gekocht, mit dem Taxi gefahren, oder uns mit ner Rikshaw im Park rumfahren lassen und halt dergleichen Bequemlichkeiten mehr. Unsere Reisen waren anstrengend, dafür aber auch aufregend, lange und kostengünstig!

Unser Weekend war wieder mehr oder weniger Arbeit, Samstag Kerngruppensitzung von 19:30 Uhr bis Mitternacht − haben wir zwar in der Kneipe abgehalten, war aber deswegen nicht weniger anstrengend. Doch es hat sich gelohnt: 100 % Stimmen für das Event und die Ausgaben, die damit verbunden sind.

Sonntag dann Infostand von 18 bis 20 Uhr und heute Vororttermin, Besichtigung der Räumlichkeiten für unser großes Fest, Besprechung über Verträge mit Bands, DJs, Security etc. pp. von 18 bis 21 Uhr, morgen Nachmittag Besprechung über weiteres Vorgehen der anderen BI ab 16 Uhr, und so setzt sich die Woche fort… wir haben kaum Zeit uns zu entspannen.

Egal, ich habe trotzdem gute Laune, bin euphorischer Stimmung, fühle mich wohl. Warum? Keine Ahnung!

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Gerettet

August 15, 2008 at 10:35 (Naturschutz, Schauplätze) (, )

Freitag, 15.08.08, 10:31 Uhr

Silverlinde

Juchhu, wir haben heute morgen mit nur vier Leuten eine über 100jährige Silberlinde (vorerst) gerettet − der Tag ist damit auch gerettet! Das Fällkommando musste wieder abhauen…

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Kärrnerarbeit

August 12, 2008 at 23:17 (Naturschutz, Schauplätze) (, , , )

Dienstag, 12.08.08, 21:06 Uhr

Admiralbrücke im Abendlicht

Admiralbrücke im Abendlicht

Die Abende auf der Admiralbrücke sind interessant, aber auch anstrengend − für A mehr als für mich, da er die aktive Seite übernimmt, er quatscht die Leute, die überall rum sitzen, an, während ich den Stand betreue. Die meisten leihen uns ein Ohr, wenn sie hören, dass es um den Landwehrkanal geht, viele kennen uns auch schon aus der Zeit, als wir auf die Bäume geklettert sind und sie gerettet haben − sie stehen noch, wenn auch mit Betonklötzen „gesichert“, und immer wenn ich zu ihnen gehe, denke ich: sind doch auch meine Bäume. Ja, die Bäume haben wir gerettet, doch nun fordern wir, dass der Kanal möglichst nachhaltig und naturverträglich saniert wird, d. h. keine nur denkmalgerechte Regelbauweise, und vor allem keine Flickarbeit. Wir wollen, dass ein Masterplan für den gesamten Kanal erstellt wird und zuallererst mal eine Bestandsaufnahme gemacht wird −

Landwehrkanal

Landwehrkanal

wir wissen doch gar nicht, was für ein Potential es dort hat, wir können nur vermuten. Es handelt sich schließlich um einen elf Kilometer langen Kanal mit Grünzügen, die sich durch fünf Bezirke schlängeln. Wir wissen z. B., dass Reiher, Eisvogel und Habicht dort wohnen, und wir möchten natürlich, dass die Riesenstinkdampfer am besten ganz verschwinden und umweltverträgliche kleinere Schiffe eingesetzt werden. Das alles kostet natürlich mehr Geld! Deswegen die Postkarten an Senatorin und Minister, ca. 1.500 haben wir verteilt und an die 300 schon ausgefüllt zurück. Wir machen mittwochs und Wochenende, Ar und O decken den Rest der Woche ab! Am Wochenende ist es besonders ergiebig, die Leute sind entspannt und haben Zeit.

Morgen ist das Vorbereitungstreffen für das große Kanal-Event im September. Die Kerngruppe ist schwer geschrumpft, doch der harte Kern, der ja auch zerstritten war, hat sich wieder zusammengerauft. Ich gehöre dazu, obwohl ich noch nicht mal am LWK wohne, doch für mich ist er das Herzstück Kreuzbergs. Immer wenn ich nach Jahren des Reisens nach Berlin zurückkehrte, hab ich zuerst nachgeschaut, ob der Landwehrkanal mit seinen Trauerweiden noch da ist.

Gestern erreichte uns ein Hilferuf aus dem Gleimviertel, die Fällungen der Traubenkirschen soll morgen um 7 Uhr früh (für mich Eule ist das eigentlich Schlafenszeit!) fortgesetzt werden, und viele von der dortigen BI sind im Urlaub. Die Zeit hat das Amt mit Bedacht gewählt. Was tun? Wir werden es nicht verhindern können, da die Fälltrupps gleich mit Staatsgewalt anrücken. So war es jedenfalls letztes Mal im Frühling, da waren wir wenigstens 30 Leute und machten es ihnen etwas unbequem − doch letztlich sind die Bäume gefällt worden, und ich stand machtlos mit Tränen in den Augen am Straßenrand, habe alles mit meiner Digi festgehalten. Eigentlich möchte ich mir das morgen gar nicht antun, doch die Leute dort alleine lassen… − vielleicht können wir es wenigstens hinterher skandalisieren, es stehen ja noch viele Traubenkirschen auf der Fällliste. Die Bäume müssen größtenteils gar nicht gefällt werden, sind keine Verkehrsgefährdung, doch einige haben bei Stürmen schon Autos beschädigt. Tja, dann weg damit! Bei Pappeln hören wir immer das Argument, dass es keine Straßenbäume und sie überhaupt „minderwertig“ seien. Die Traubenkirschen, die sie im Grunewald beseitigt haben, waren gar von einer ausländischen Art!

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