Auf zu neuen Ufern
Montag, 07.07.08, 23:01 Uhr
Jetzt, ein ¾ Jahr ist vergangen seit A.s „Rauswurf“ aus seinem Job bei einem gemeinnützigen Naturschutzverein, bin ich froh darüber; d. h. natürlich nicht über die Art und Weise; ich werde es wohl nie verstehen, wie krass und kalt Menschen sein können! Doch ich bin sehr froh, dass er dort nicht mehr arbeitet. Wie viele Abende und Wochenende haben wir in der Geschäftsstelle verbracht, z. B. wenn es Computerprobleme gab oder wenn abends noch eine Veranstaltung war und wir technischen Support leisten mussten, ohne zusätzliche Bezahlung. Fast alle Angestellten und in vorderster Reihe die Chefin, haben keine Leidenschaft für ihre Arbeit.
Wir sind mittlerweile in zwei Bürgerinitiativen engagiert und ich muss echt sagen jede/r dort hat (und das ohne Bezahlung) mehr Leidenschaft für die Sache als die Leute, deren Job es ist die Natur zu vertreten. A. musste sie immer vor sich her treiben, wäre er dort weiterbeschäftigt, hätten wir uns völlig aufgerieben. Die Mentalität dort war doch etwas zu eng und kleingeistig für uns, sie sind alle mehr oder weniger schon eingeschlafen – das ist nichts für uns. Es galt bloß, erst mal die Demütigung zu verwinden – jetzt fühlen wir uns regelrecht befreit. Wir hatten ja den Triumph, dass sie A hätten weiterbeschäftigen müssen, außerdem haben wir noch eine Abfindung erstritten und ein Zeugnis mit der Note „sehr gut“.
Natürlich sind wir um einige Illusionen ärmer geworden! Ist aber interessant, zu wissen, dass die sich nur selbst verwalten, die Mitgliederbeiträge sind dafür da, ihre Jobs zu erhalten.
Doch wir haben selbst einen gemeinnützigen Naturschutzverein gegründet, haben zwar erst ca. 40 Mitglieder und bis jetzt nur ehrenamtliche Mitarbeiter, aber vielleicht, wenn alles klappt, bin ich bald die einzige hauptamtliche Angestellte! Seit wir unser Reiseleben aufgegeben haben, spielt Geld nicht mehr so ne große Rolle, und durch unser Reiseleben haben wir auch gelernt, bescheiden zu leben. Wir vergessen nie, dass es uns im Verhältnis zu vielen Millionen Menschen doch sehr gut geht. Ich finde es schön, dass unser Leben immer noch so offen ist, es keinen vorgeplanten Weg gibt – es kann gut möglich sein, dass wir plötzlich unser Reiseleben wieder aufnehmen oder ganz was anderes machen. Pläne machen wir keine, leben eher für die kleinen Erfolge und guten Momente!
Die Zeit bei einem großen Naturschutzverein sehe ich als eine einzig Vergeudung an, erreichen konnten wir dort nichts, wurden ja ständig gebremst. Wir haben in diesem ¾ Jahr aus naturschutzfachlicher Sicht schon mehr erreicht als in den Jahren bei dem Verein. Es lohnt sich für die Natur zu kämpfen, wenn es auch nur in kleinen Schritten vorangeht.