Rausch

Juli 25, 2008 at 20:57 (Dies und Das, Liebe) (, , , , )

Freitag, 25.07.08., 00:00 Uhr

Gestern, am späten Abend „Bittersüßen Kaffee“ getrunken, da unsere Mägen leer waren, hat es recht schnell gewirkt – mächtig! Da ich wusste, dass heute früh um 10 Uhr ein Mensch von der Gasag kommen wollte, Zähler auswechseln, war ich etwas beunruhigt.

Die Musik hatte eine unglaubliche Intensität, besonders Queen Adrina, zeitweilig dachte ich mein Kopf würde wie ein Luftballon an der hohen Decke unseres Zimmers schweben, die Gedanken rasten durch mein Hirn, musste mich willentlich runterholen. Da wir nicht ohne Musik ins Bett wollten, machten wir uns ein Lager im Wohnzimmer auf dem Sofa. Wir waren völlig im Einklang, der Sex war noch intensiver als die Musik. Danach total ermattet im zerwühlten Bett noch Topfencreme gelöffelt, ich wollte ausnahmsweise ne Zigarette im Bett rauchen (A raucht ja nicht mehr), doch da fiel mir ein, dass ich irgendwo noch einen Krümel Dope vergraben habe, nachdem ich auch noch Blättchen gefunden hatte, habe ich ne kleine Tüte gebastelt und die hat A natürlich mitgeraucht. Glücklich und eng aneinandergekuschelt sind wir dann ziemlich schnell eingeschlafen – es war schon nach 6 – und um ½ 10 klingelte es an der Tür: der Gasag-Mann! Im schnell übergeworfenen Morgenmantel, die verschmierte Schminke noch im Gesicht, habe ich ihm geöffnet. Der tat so als sei alles normal, hatte rasch den Zähler ausgewechselt und fragte, ob er meine Toilette benutzen dürfe… Ja, klar! Drückte mir dann verschämt einen Zettel in die Hand, als wärs ne Sauerei, murmelte: „Gut aufheben“, und weg war er. Hat er mich nicht doch irgendwie komisch angeschaut?

Heute hält uns den ganzen Tag eine nicht unangenehme Mattigkeit gefangen: kein Bock auf gar nichts – egal! Jeder Rausch muss bezahlt werden, und je stärker der Rausch, desto mehr muss man hinterher zahlen! Heute um 14 Uhr haben wir noch ne wichtige Besprechung, und dann machen wir Urlaub.

Wir haben beide keine Lust zu verreisen (wir sind ja so viele Jahre gereist), wollen die nähere Umgebung mit dem Rad erkunden, wir kennen uns z. B. in Delhi besser aus als in Berlin und Umgebung. Wir wollen uns verhalten wie Touristen: abends lange draußen sitzen, essen gehen, falls das Wetter mitspielt in Seen baden, lesen, ins Kino gehen, in den Tag hinein leben, alles einfach auf uns zukommen lassen. Wir haben uns noch nichts groß vorgenommen, wollen ganz spontan entscheiden, was wir unternehmen. Bin gespannt, ob wir das hinkriegen, hier zu bleiben und nicht zu arbeiten! Urlaub in Berlin – haben wir noch nie gemacht; und wenn alles Scheiße ist, es uns nicht gefällt, fahren wir kurzfristig weg!

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Alles im Fluss

Juli 15, 2008 at 1:02 (Dies und Das, Familie, Liebe) (, , , , )

Dienstag, 15.07.08, 00:02 Uhr

Ach herrje, alles geht drunter und drüber, die eine BI, die jetzt schon über ein Jahr besteht, scheint nun wegen inneren Auseinandersetzungen, die überwiegend das eigene Ego betreffen und nichts mit der Sache zu tun haben, so langsam aber sicher in Auflösung begriffen; die andere BI, die erst ein paar Monate existiert, ist auch nicht viel besser, die schrumpfenden Mitglieder haben nicht mehr den Elan und erfinden immer neue Ausflüchte sich zurückzuziehen. So ist das eben mit ehrenamtlicher Arbeit, lange halten die Leute meist nicht durch. Heute gab’s einen tollen Auftritt vom Gründer und selbsternannten Sprecher der 1. BI. Er fühlte sich in seiner Ehre zutiefst verletzt, da A unter einen Presseartikel, den er letzte Nacht über den Stand des Mediationsverfahrens verfasste, zwecks Rückfragen seinen Namen und Telefonnummer geschrieben hat. Er schrie wild rum und verließ uns schließlich Türe schlagend mit den Worten: „Euren Kaffee könnt ihr alleine trinken!“ Mich kotzt so was total an! Die Mediation scheint auch gescheitert – scheiße, wenn ich an die tausende von Stunden denke, die wir investiert haben, soll das alles umsonst gewesen sein? Naja, ist etwas übertrieben, die Bäume sind gerettet, aber vielleicht können wir da auch nicht so sicher sein…

Der mickrige Kleinkrämer von Bruder hat das Erbe von A. nach langem Schweigen – wahrscheinlich musste er sich mit Rechtsanwälten beraten – noch etwas geschmälert. A. wird sich wahrscheinlich darauf einlassen, wir haben keinen Bock auf noch einen Rechtsstreit und dann auch noch in Familienangelegenheiten, ist doch echt unwürdig! Mit meinem Job scheint’s auch nichts zu werden und A hat immer noch kein Zeugnis.

Ach egal, ist doch alles nicht so wichtig! Unsere Liebe ist stark und wir halten zusammen, notfalls trennen wir uns von allen und leben wieder unser altes Leben. Manchmal sehne ich eh A & B von früher zurück, als wir noch alleine waren, keinen an uns ranließen! Vielleicht können wir uns auch endlich wieder Dingen widmen, die wir lange vernachlässigt haben: z. B. Literatur, Philosophie oder dem Papierwust der alten Reisetagebücher oder endlich endlich mal wieder reisen…

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Halber Mensch!

Juli 12, 2008 at 2:12 (Familie, Liebe) (, , , )

Samstag, 12.07.08, 01:45 Uhr

Heute war ich sehr maßlos! A trifft sich um 13:30 Uhr mit Leuten aus der Kerngruppe, um das Arbeitstreffen im WSA vorzubereiten – ich komme nicht mit, da die Gruppe nicht so groß sein soll. Voraussichtlich wird A erst gegen 19 oder 20 Uhr zurück sein. Es ist das erste mal seit langer Zeit, dass ich länger alleine in der Wohnung bin, und ich nehme mir allerhand vor. Doch schon nach zwei Stunden fehlt mir A so sehr, fühle mich so heimatlos und fremd in meiner eigenen Wohnung, dass ich nur noch die Zeit rumkriegen will, rauche, telefoniere lange mit meiner Schwester, schau mir Videos an, rauche, mache Gym, sauge die Wohnung, gehe sehr langsam einkaufen, rauche, esse nichts, rauche schon wieder, schaue immer öfter aus dem Fenster, checke ständig die Emails, dabei wollt ich was sinnvolles machen. Warten auf A…

Scheiße, wir sind so zusammengewachsen, dass ich ohne A echt nur halb bin, wie mittendurch gerissen. Tja, seit vielen Jahren machen wir alles gemeinsam und zur gleichen Zeit: arbeiten, reisen, schlafen, essen, lieben, traurig und glücklich sein, einfach alles, und es fällt mir erst auf, wenn ich mal länger als eine Stunden von ihm getrennt bin. Er ist ja nicht nur mein Liebster sondern auch mein bester Freund, engster Vertrauter, den ich nie anlügen kann. Manchmal wenn ich Mist gebaut habe, denke ich, das erzähle ich jetzt aber nicht oder ich beschönige es etwas und dann erzähle ich ihm doch, ohne auch nur darüber nachzudenken, alles haarklein wie es abgelaufen ist.

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Auf zu neuen Ufern

Juli 8, 2008 at 0:07 (Naturschutz, Rückblicke) (, , , , )

Montag, 07.07.08, 23:01 Uhr

Jetzt, ein ¾ Jahr ist vergangen seit A.s „Rauswurf“ aus seinem Job bei einem gemeinnützigen Naturschutzverein, bin ich froh darüber; d. h. natürlich nicht über die Art und Weise; ich werde es wohl nie verstehen, wie krass und kalt Menschen sein können! Doch ich bin sehr froh, dass er dort nicht mehr arbeitet. Wie viele Abende und Wochenende haben wir in der Geschäftsstelle verbracht, z. B. wenn es Computerprobleme gab oder wenn abends noch eine Veranstaltung war und wir technischen Support leisten mussten, ohne zusätzliche Bezahlung. Fast alle Angestellten und in vorderster Reihe die Chefin, haben keine Leidenschaft für ihre Arbeit.

Wir sind mittlerweile in zwei Bürgerinitiativen engagiert und ich muss echt sagen jede/r dort hat (und das ohne Bezahlung) mehr Leidenschaft für die Sache als die Leute, deren Job es ist die Natur zu vertreten. A. musste sie immer vor sich her treiben, wäre er dort weiterbeschäftigt, hätten wir uns völlig aufgerieben. Die Mentalität dort war doch etwas zu eng und kleingeistig für uns, sie sind alle mehr oder weniger schon eingeschlafen – das ist nichts für uns. Es galt bloß, erst mal die Demütigung zu verwinden – jetzt fühlen wir uns regelrecht befreit. Wir hatten ja den Triumph, dass sie A hätten weiterbeschäftigen müssen, außerdem haben wir noch eine Abfindung erstritten und ein Zeugnis mit der Note „sehr gut“.

Natürlich sind wir um einige Illusionen ärmer geworden! Ist aber interessant, zu wissen, dass die sich nur selbst verwalten, die Mitgliederbeiträge sind dafür da, ihre Jobs zu erhalten.

Doch wir haben selbst einen gemeinnützigen Naturschutzverein gegründet, haben zwar erst ca. 40 Mitglieder und bis jetzt nur ehrenamtliche Mitarbeiter, aber vielleicht, wenn alles klappt, bin ich bald die einzige hauptamtliche Angestellte! Seit wir unser Reiseleben aufgegeben haben, spielt Geld nicht mehr so ne große Rolle, und durch unser Reiseleben haben wir auch gelernt, bescheiden zu leben. Wir vergessen nie, dass es uns im Verhältnis zu vielen Millionen Menschen doch sehr gut geht. Ich finde es schön, dass unser Leben immer noch so offen ist, es keinen vorgeplanten Weg gibt – es kann gut möglich sein, dass wir plötzlich unser Reiseleben wieder aufnehmen oder ganz was anderes machen. Pläne machen wir keine, leben eher für die kleinen Erfolge und guten Momente!

Die Zeit bei einem großen Naturschutzverein sehe ich als eine einzig Vergeudung an, erreichen konnten wir dort nichts, wurden ja ständig gebremst. Wir haben in diesem ¾ Jahr aus naturschutzfachlicher Sicht schon mehr erreicht als in den Jahren bei dem Verein. Es lohnt sich für die Natur zu kämpfen, wenn es auch nur in kleinen Schritten vorangeht.

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Scheißdienstag

Juli 1, 2008 at 15:08 (Dies und Das, Frust, Gedanken) (, , , , )

Dienstag, 01.07.08, 14:05 Uhr

Ich hasse Dienstage! Bei den meisten Menschen sind ja die Montage verhasst, doch montags finde ich es noch ganz o. k. Da man ja sonntags meistens eventuell was getörnt hat, kommt natürlich drauf an was, hat der Montag noch ein bisschen Farbe davon, Dienstag kommt dann der totale Frust und das nächste Wochenende ist noch lange nicht in Sicht, oft läuft es dann darauf hinaus, dass ich überlege und Gründe suche, warum ich nicht bis zum Wochenende warten kann – im mich selbst austricksen bin ich sehr gut.

In all den Jahren, wo wir möglichst viel gearbeitet und uns über jede Überstunde gefreut haben, weil damit unser geliebtes Reiseleben schneller in Sicht kam, war es einfach, die Woche über auf alles zu verzichten, doch das Wochenende haben wir dann richtig aufgedreht, wir waren zwar Sonntag abends schon traurig, aber der Montag ließ sich trotzdem noch leicht bewältigen. Damals sind wir nicht in Versuchung gekommen uns Wochentags einen Törn zu verschaffen, wäre mit dem Arbeitsstress nicht vereinbar gewesen. (Zum Glück war mir nicht klar, dass sich manches bestens vereinbaren lässt, ja die Leistung erheblich steigern kann!) Wir haben das damals leichten Herzens auf uns genommen, wir hatten ja immer das Ziel vor Augen, den ganzen Scheiß hinter uns zu lassen.

Heute, wo wir überwiegend von zu Hause arbeiten, uns auch ohne Geld engagieren, nicht jeden Cent für die nächste Reise sparen, ist es schwieriger. Es gibt ja genügend Gründe für die „Ausnahme“, doch wir haben eine hohe Selbstdisziplin entwickelt, da wir ja wissen, wo die Ausnahmen und Ausreden „Nur Heute mal, mir gehts ja so schlecht, ist doch eh alles Scheiße, nächste Woche sind wir dann konsquent“ usw. usf. hinführen.

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