Alles hat seine Zeit
Mittwoch, 25.06.08. 23:36 Uhr
Ja, manchmal wünsche ich mich zurück in eine andere Zeit meines vergangenen Lebens – doch man kann nicht zurück, es ist vorbei und man kann auch nichts willentlich wiederholen. Das Leben besteht ja zum größten Teil aus Wiederholungen, doch das hat nichts mit dem zu tun, was ich mir zurückwünsche. Wie man gefühlt hat, wie man gesehen und wahrgenommen hat. Ich habe immer gehofft, die besonderen Dinge niemals Routine werden zu lassen, nicht durch zu häufige Wiederholungen abzunutzen, dass sie fade und durchsichtig werden.
Manchmal bin ich ganz bescheiden zufrieden! Alles hat sich geändert, unser abenteuerliches, buntes Leben ist in eine von uns nicht vorausgesehene oder gar geplante Bahn, wenn man das so nennen kann, verlaufen. Lange Zeit dachte ich, wir würden immer so leben können, immer reisen, immerzu Neues und Aufregendes erleben und dann sterben. War wirklich sehr naiv, ich weiß das jetzt. Es hat sehr lange gedauert, bis ich erwachsen geworden bin, vielleicht bin ich es immer noch nicht. Wir leben nicht mehr so sehr unsere Zweisamkeit, wir lassen ab und zu andere Menschen teilhaben an unserem Leben. Viele Jahre hatten wir überhaupt keine Freunde, aber es war nicht so, dass es uns gestört hätte, wir wollten keine, wollten auf gar keinen Fall unsere Zeit mit anderen teilen, waren uns genug. Ja, es gab sogar Phasen, wo wir nicht ans Telefon gegangen sind, jeden Anruf, jedes Klingeln an der Tür eine Störung war. Doch doch es war wunderschön und ich liebe diese Zeit, sehne mich zurück – doch es gibt kein zurück.
In Träumen könnte man zurückkehren, doch ich träume nur noch sehr selten; Blödsinn, natürlich träumt man jede Nacht und nicht nur einen Traum. Doch was anderes ist das Erinnern: direkt nach dem Erwachen hängen noch ein paar Traumfetzen in meinem Hirn, doch verblassen ganz schnell und später kann ich mich an nichts mehr erinnern. Woran liegt es? Früher träumte ich oft so klar und realistisch, dass ich kurz nach dem Aufwachen nicht sicher war, ist es Realität oder Traum.
Unser Leben heute: wir engagieren uns sehr für unser unmittelbares Umfeld, was uns früher so gut wie gar nicht interessierte – wir wollten immer nur weg von hier. Das Ziel war nicht das wichtigste, nur weg von hier! Ich habe mit Absicht nie Sachen angehäuft, kein Nest gebaut, keine Kinder in die Welt gesetzt, könnte theoretisch jeder Zeit abhauen – doch ich weiß nicht, ob ich es wirklich will und vor allem, ob er es will. Wir sind ja andere geworden, haben Verantwortung übernommen, doch oft ödet es mich auch an so korrekt und „nützlich“ zu sein. Ein nützlicher Mensch ist mir früher immer als etwas sehr hässliches erschienen.
Vielleicht ist alles gut so wie es jetzt ist, man braucht sich ja als Menschlein nicht einzubilden, man könne groß entscheiden, hätte alles selbst in der Hand – das ist ein Trugschluss. Wir können vielleicht entscheiden, was wir essen wollen, mehr auch nicht. Unter Umständen noch nicht mal das…
Von einer höheren Warte aus gesehen ist das auch alles nicht so wichtig, will sagen, wir sind nicht so wichtig! Schluss!