Wochenend-Exkursion nach MeckPom

Juni 4, 2008 at 2:16 (Naturschutz, Schauplätze) (, , , )

Sonntag, 01.06.08, 23:28 Uhr

Der Freitagmorgen, vor Abfahrt unserer Wochenend-Exkursion mit der Bezirksgruppe Lichtenberg, ist sehr hektisch für uns. Da wir Donnerstag bei der BVV in Pankow waren, und die BI uns anschließend noch zu einem kleinen Umtrunk eingeladen hat und wir nicht schon wieder ablehnen konnten, wurde es sehr spät, wir sind erst Freitagmorgen gegen ½ 5 ins Bett – doch wir schaffen es, pünktlich zur verabredeten Zeit um 16 Uhr in der Wollankstr. zu sein. Es sind schon alle, die mit dem Kleinbus mitfahren, versammelt, außer H., die eine Radpanne hatte und mit schwarzverschmierten Fingern zeitgleich mit uns eintrifft.

Nachdem wir noch schnell die Toilette aufgesucht haben und H. sich etwas gesäubert hat, kann’s losgehen. Unser Wochenendtrip führt uns diesmal in die Peene-Niederung nahe Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. In der hintersten Reihe sitzt Fam. K. und Fr. Dr. St., davor wir und P., vorne natürlich der Fahrer J., daneben K. und H. Ich bin froh, dass H. nicht neben uns sitzt, da sie ununterbrochen redet. Ich kann von hinten sehen, wie K.s Gesicht sich nach einer Stunde oder früher verdüstert… ansonsten verläuft die Fahrt ohne weitere Zwischenfälle; es ist heiß, doch im Bus noch einigermaßen auszuhalten.

GasthausGegen 18 Uhr erreichen wir Galenbeck, ein kleiner netter Ort, das Gasthaus ist ruhig gelegen, das Haus von außen mit Efeu bewachsen. Ehe wir aussteigen, klärt J. uns noch schnell auf: der Inhaber hatte vor kurzem einen Schlaganfall, eigentlich betreibt er die Pension nicht mehr und wir sollen Rücksicht nehmen , wenn er etwas komisch ist – später erfahren wir noch, dass seine Frau gelähmt ist, die Köchin in den Westen abgehauen ist und einiges mehr. Ich denke schon an einen grimmigen alten Kauz, doch es erwartet uns ein ausgesprochen freundlicher Gastgeber, der alles richtig machen möchte. Das Haus wirkt von außen kleiner als es ist, im Innern sind großzügige Räume. Fam. D. und Fam. Sch., die mit PKWs anreisten, sind schon da, und ich denke, sie haben uns bestimmt die besten Zimmer weggeschnappt, doch wir kriegen ein ziemlich großes Zimmer mit TV und vor allem das Bad für uns alleine. Ich bin zufrieden! In der Ferienwohnung unterm Dach, die schräge Wände hat und ziemlich warm ist, gibt es zwar eine Küche, aber nur ein Bad für zwei Zimmer, die bescheidenen K.s nehmen vorlieb damit, ins zweite Zimmer muss R. mit Frau (ein Neuer den wir noch nicht kennen), da sie als letzte kommen.

Wir packen aus, nehmen Ferngläser und Foto und gehen wieder nach unten. Alle sind schon versammelt – wir fahren zum Südufer des Galenbecker Sees und steuern einen Beobachtungsturm an. Hier weht der Wind dermaßen stark, dass ich froh bin, meine Jacke mitgenommen zu haben. Wir sehen mehrere Enten und Gänsearten (s.Liste), Fischadler, Seeadler und Rothalstaucher…. Ich bin sofort von der Landschaft und der Stille begeistert. Da wir Ornithologen und Ornithologie-Interessierte dabeihaben, werden auch sogleich vom Ober-Orni Zettel und Stift herausgeholt und die Arten aufgelistet – 100 müssen es schon werden. Ich weiß nicht mehr, wie viel Arten wir gleich am ersten Abend gesichtet haben, doch ich glaube, es waren schon über achtzig. J. hat auch ein Spektiv mitgebracht, was noch mal ein ganz anderes Erlebnis ist, die Tiere so gut sehen zu können, ohne ihnen auf die Pelle zu rücken. Nachdem wir uns satt gesehen haben, melden sich auch langsam unsere Mägen. Zögernd verlassen wir den Hochstand und fahren nach Friedland in ein Fischrestaurant am Mühlenteich. Wir stellen mehrere Tische (wir sind ja immerhin 15 Personen!) dicht ans Wasser, so dass wir das Treiben auf dem Teich beobachten können. Das Essen dauert lange, da die Kellnerin alleine ist und in dieser Richtung auch keinen Spaß versteht – doch es ist ausgezeichnet!

KomoranSpäter sitzen wir noch ‘ne Weile im Garten des Gasthauses und unterhalten uns, doch da wir morgen viel vorhaben, ziehen sich alle bald in ihre Zimmer zurück. Für A und mich fängt der Abend eigentlich jetzt erst an, wir haben einen völlig anderen Rhythmus, können nicht um 11 / ½ 12 schon pennen. Wir zappen noch ein bisschen im Fernsehen rum und legen uns schließlich um ½ 2 ins Bett, der Wecker steht auf ½ 7. Wir schlafen sehr unruhig – bevor der Wecker morgens loslegt, sind wir beide schon wach. Wir duschen, packen den Krempel, den wir mitnehmen wollen, und gehen runter – es ist erst ¼ nach 7. Das Frühstück ist o.k., nur der Kaffe natürlich viel zu dünn für uns. Wir machen uns noch ne Stulle als Proviant und dann kann’s losgehen.

Komoran-KolonieWir fahren zum Anklamer Stadtbruch, steuern erst mal wieder einen Beobachtungsturm an, machen dann eine Wanderung auf dem alten Bahndamm der „Bäderbahn“ entlang der Kormorankolonie bis zur Ruine der Hubbrücke. Wir sind geplättet von der Komorankolonie, Baum an Baum, alle mit Kormorane und Nester besetzt – sieht fast aus wie in Keoladeo. Die Bäume stehen im Wasser und sind abgestorben. Durchs Fernglas oder noch besser Spektiv kann man in die Nester schauen und die Jungen beobachten. Es müssen Tausende sein. Hoffentlich kommen nicht wieder irgendwelche Idioten auf die Idee, dass sie dezimiert werden müssen, da sie ja den Anglern den Fisch wegfressen.

Wir wandern in ziemlicher Hitze bis zur Ruine, dort machen wir Rast und finden auch am See einen Imbiss mit Fischbrötchen und Kaffee. Da wir noch keinen Hunger haben, nehmen wir uns was mit. Wir laufen den gleichen Weg wieder zurück, es ist jetzt noch heißer, doch vorn auf dem Hochstand, wo unsere Wanderung begann, ist es so windig, dass man sich gut abkühlen kann. Wie sich später herausstellen wird, hat unsere Sonnencreme, die noch aus Bangkok ist, also somit mindestens 7 Jahre alt, noch gewirkt, sogar A mit seiner sonnenempfindlichen Haut hat keinen Sonnenbrand gekriegt. Wir verweilen hier noch einige Zeit, können unsere Artenliste auf 99 erhöhen und fahren dann zum Schlosspark Putzar. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt und stellen unser Spektiv am Rande der Landstraße auf, um vielleicht Schreiadler zu sehen, die hier schon mal gesichtet wurden. Mancher/m aus der Gruppe ist das nach ‘ner Weile doch zu blöd und sie flüchten ins Auto, zumal alle, die vorüber fahren, uns erstaunt beobachten.

BaumrieseNach knapp einer Stunde fahren wir zum Schlosspark. Hier gibt es dicke alte Buchen, Eichen, Ulmen, Pappeln, Kastanien und Ruinen zu besichtigen. Ein Baum hat seine Wurzeln so um das Mauerwerk gelegt, dass er mich an Ankor Wat in Kambodscha erinnert. Lange könnte ich hier verweilen, der Park ist sehr großzügig angelegt und durch die riesigen Baumkronen ist es angenehm kühl. Hier haben Rot- und Braunkehlchen, Eichelhäher und Buntspecht unserer Liste aufgestockt – aber so genau weiß ich das nicht mehr. Der Ober-Orni hat mir zwar die Liste geschickt, aber was wir wann wo gesehen haben, ist mir schon entfallen. Ich glaube auch, ohne die Spezialisten hätte ich nicht mal die Hälfte der Vögel gesehen.

Zum Abschluss des Tages fahren wir noch ans Nordufer des Galenbecker Sees, auch hier entdecken wir noch nicht Gesehenes, ich glaube unter anderem einen Rothalstaucher oder hatten wir den schon? – Egal! Gegen 19 Uhr fahren wir zurück zu unserem Gasthaus, machen uns frisch und J. wirft den Grill an, K. hat wie immer bei solchen Gelegenheiten das Fleisch schon zu Hause vorbereitet und zwei weitere Teilnehmer haben je ein Brot gebacken, K. schneidet noch Tomaten und Gurken und für uns gibt es vegetarisches Kassler – schmeckt gegrillt ganz lecker. Wir machen’s uns gemütlich, erzählen Geschichten von Reisen, Kindheitserinnerungen oder reden über die Fahrten, die wir in den vergangenen Jahren gemeinsam gemacht haben. A zieht sich um 22 Uhr zurück, ich folge ihm alsbald, da wir Frauenboxen (Ina Menzer gegen Stacey Reille) gucken wollen (Ina siegt durch techn. K.o. in der 4. Runde und bleibt Doppel-Weltmeisterin) – auch die anderen hält’s nicht mehr lange, es war ein anstrengender Tag und alle sind müde. Wir gehen etwas früher ins Bett und schlafen auch ganz gut bis um ½ 7 der Wecker klingelt.

OrchideenwieseHeute heißt es schon wieder Abschied nehmen, wir packen gleich nach dem Duschen unseren Krempel zusammen. Doch bevor wir zurück nach Berlin fahren, wollen wir noch Orchideen sehen. Wir fahren in die Peeneniederung bei Anklam: auch ein schönes Gebiet mit Teichen, vielen Wasservögeln und Mohnblumenfeldern. Wir haben insgesamt 112 verschiedene Arten Vögel gesichtet, laut den Ornis ganz beachtlich. Wir gehen langsam, stellen immer wieder das Spektiv auf, um besser beobachten zu können. Später fahren wir zu den Peenewiesen bei Gützkow. Hier kommen endlich die Orchideen-LiebhaberInnen auf ihre Kosten: Wiesen mit Trollblumen und verschiedenen Knabenkräutern – ähnliches habe ich nur im Unstruttal gesehen. In den Teichen, die es Knabenkrautauch hier gibt, entdecken wir Grünfrösche, die blau- und türkisfarben im Sonnenlicht schimmern. Wir bewundern und fotografieren die Orchideen von allen Seiten, halten noch mal Picknick und gegen 14 Uhr machen wir uns endgültig auf den Heimweg.

Es ist unerträglich heiß im Bus, aber wenigsten sitze ich nicht wie bei der Hinfahrt auf der Sonnenseite – A pennt die meiste Zeit. Gegen 16 Uhr sind wir am S-Bahnhof Pankow, hier verabschieden wir uns, mit dem Versprechen nächstes Jahr wieder mitzufahren und bedanken uns noch mal ganz herzlich bei J., der wieder alles so super organisiert hat. In Berlin ist es heiß und stickig, doch unsere Wohnung ist noch recht angenehm.

Es war ein wundervolles Wochenende, fast schon ein Kurzurlaub. Wir haben uns auch alle recht gut vertragen, keiner hat Probleme gemacht – war nicht immer so. Wir sind übrigens die einzigen Wessis in der Gruppe gewesen.

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