Sober
Samstag, 28.06.08, 14:42 Uhr
Christopher Street Day – eigentlich wollten wir hingehen, doch es regnet und meine Stimmung ist mies, bräuchte was zum törnen.
Ich kann und will mich nicht abfinden, alles in mir sträubt sich, wenn man mir sagt „so ist das Leben halt, so ist das eben, wenn man alt wird, kann doch nicht immer so weitergehen“, etc. pp. Wie soll man denn dieses Leben mit all seinem Elend, Ungerechtig- und Sinnlosigkeiten aushalten, wie soll man verdrängen können, dass wir es schon geschafft haben, alles zu Grunde zu richten, ganze Arten auszurotten, die riesigen Meere zu verseuchen, die Luft zu verpesten. Wie soll man das nüchtern ertragen? Ich schaff das nicht!
Vorm Reisen habe ich regelrecht Angst; Angst überall nur die Zerstörung zu sehen, das Schöne nicht mehr wahrzunehmen. Es bleiben doch nur die Künstlichen Paradiese !
Was nützt es denn, schön brav und sauber zu leben, um möglichst alt zu werden? Sich ewig zu quälen mit: dies darfst du nicht, das ist ungesund, jenes wird dein Leben verkürzen. Bah, es kotzt mich an. Dass man mich nicht falsch versteht, ich möchte mich nicht unbedingt zudröhnen, oder doch?
Über die Liebe
Donnerstag, 26.06.08, 13:48 Uhr
Hannah Arendt: Aus „Die Unwiderruflickeit des Getanen und die Macht zu verzeihen“
„Was die Liebenden von der Mitwelt trennt, ist, dass sie weltlos sind, dass die Welt zwischen den Liebenden verbrannt ist. Solange die Liebe währt, ist das einzige Zwischen, durch das die Liebenden, wie die Anderen durch den Zwischenraum der Welt, miteinander verbunden und zugleich voneinander getrennt werden können: das Kind, der Liebe ureigenstes Erzeugnis. In dem Kind, das zwischen ihnen entstand und ihnen gemeinsam ist, meldet sich bereits wieder die Welt; es zeigt an, dass sie in der bestehenden Welt ein neues Weltliches einzuschalten im Begriff stehen. Es ist, als kehrten die Liebenden durch das Kind wieder in die Welt zurück, aus der ihre Liebe sie gleichsam vertrieben hatte. Aber diese Rückkehr in die Welt, obzwar sie das einzig mögliche Ende, jedenfalls das einzig mögliche Happyend einer Liebesgeschichte bildet, ist in gewissem Sinne auch das Ende der Liebe, die entweder die Betroffenen aufs Neue ergreifen oder sich in eine der vielen möglichen Formen der Zusammengehörigkeit umwandeln muss. Die Liebe ist ihrem Wesen nach nicht nur weltlos, sondern sogar weltzerstörend, und daher nicht nur apolitisch, sondern sogar antipolitisch – vermutlich die mächtigste aller antipolitischen Kräfte“
Alles hat seine Zeit
Mittwoch, 25.06.08. 23:36 Uhr
Ja, manchmal wünsche ich mich zurück in eine andere Zeit meines vergangenen Lebens – doch man kann nicht zurück, es ist vorbei und man kann auch nichts willentlich wiederholen. Das Leben besteht ja zum größten Teil aus Wiederholungen, doch das hat nichts mit dem zu tun, was ich mir zurückwünsche. Wie man gefühlt hat, wie man gesehen und wahrgenommen hat. Ich habe immer gehofft, die besonderen Dinge niemals Routine werden zu lassen, nicht durch zu häufige Wiederholungen abzunutzen, dass sie fade und durchsichtig werden.
Manchmal bin ich ganz bescheiden zufrieden! Alles hat sich geändert, unser abenteuerliches, buntes Leben ist in eine von uns nicht vorausgesehene oder gar geplante Bahn, wenn man das so nennen kann, verlaufen. Lange Zeit dachte ich, wir würden immer so leben können, immer reisen, immerzu Neues und Aufregendes erleben und dann sterben. War wirklich sehr naiv, ich weiß das jetzt. Es hat sehr lange gedauert, bis ich erwachsen geworden bin, vielleicht bin ich es immer noch nicht. Wir leben nicht mehr so sehr unsere Zweisamkeit, wir lassen ab und zu andere Menschen teilhaben an unserem Leben. Viele Jahre hatten wir überhaupt keine Freunde, aber es war nicht so, dass es uns gestört hätte, wir wollten keine, wollten auf gar keinen Fall unsere Zeit mit anderen teilen, waren uns genug. Ja, es gab sogar Phasen, wo wir nicht ans Telefon gegangen sind, jeden Anruf, jedes Klingeln an der Tür eine Störung war. Doch doch es war wunderschön und ich liebe diese Zeit, sehne mich zurück – doch es gibt kein zurück.
In Träumen könnte man zurückkehren, doch ich träume nur noch sehr selten; Blödsinn, natürlich träumt man jede Nacht und nicht nur einen Traum. Doch was anderes ist das Erinnern: direkt nach dem Erwachen hängen noch ein paar Traumfetzen in meinem Hirn, doch verblassen ganz schnell und später kann ich mich an nichts mehr erinnern. Woran liegt es? Früher träumte ich oft so klar und realistisch, dass ich kurz nach dem Aufwachen nicht sicher war, ist es Realität oder Traum.
Unser Leben heute: wir engagieren uns sehr für unser unmittelbares Umfeld, was uns früher so gut wie gar nicht interessierte – wir wollten immer nur weg von hier. Das Ziel war nicht das wichtigste, nur weg von hier! Ich habe mit Absicht nie Sachen angehäuft, kein Nest gebaut, keine Kinder in die Welt gesetzt, könnte theoretisch jeder Zeit abhauen – doch ich weiß nicht, ob ich es wirklich will und vor allem, ob er es will. Wir sind ja andere geworden, haben Verantwortung übernommen, doch oft ödet es mich auch an so korrekt und „nützlich“ zu sein. Ein nützlicher Mensch ist mir früher immer als etwas sehr hässliches erschienen.
Vielleicht ist alles gut so wie es jetzt ist, man braucht sich ja als Menschlein nicht einzubilden, man könne groß entscheiden, hätte alles selbst in der Hand – das ist ein Trugschluss. Wir können vielleicht entscheiden, was wir essen wollen, mehr auch nicht. Unter Umständen noch nicht mal das…
Von einer höheren Warte aus gesehen ist das auch alles nicht so wichtig, will sagen, wir sind nicht so wichtig! Schluss!
Mit dem Solarboot unterwegs
Mittwoch, 18.06.08, 02:10 Uhr
Nun ist unsere Reise nach Prieros (ein märkisches Dorf mitten im Naturpark Dahme-Heideseen gelegen, umgeben von Dahme, Schmölde und Langem See) schon wieder über eine Woche her und ich bin nicht dazu gekommen, darüber zu berichten. Doch das werde ich jetzt ganz schnell nachholen – unser so genanntes bürgerschaftliches Engagement lässt uns immer weniger Zeit für Privates, und auch jetzt muss A erstmal zwanghaft M über den letzten Stand im Mediationsverfahren berichten.
Samstags sind wir mit der S-Bahn nach Lichtenberg gefahren, haben uns dort mit M (der Freundin von Ar, dem Solarbootfahrer, die wir bisher nur aus Erzählungen kannten) getroffen und sind mit dem Regionalzug, in dem schon D saß, ein längjähriger Freund von Ar, um 15:17 Uhr nach Storkow-Hubertushöhe gefahren; dort hat uns Ar mit dem Solarboot erwartet. Er hatte für drei Wochen einen Job, d. h. er hat Mercedes-Manager zur Entspannung mit dem Boot durch die Gegend gefahren.
Nach kurzem Aufenthalt steigen wir ins Boot, für uns die erste Fahrt mit einem Solarboot, und bis Prieros dauert es ca. 4 Stunden. Die langsame leise Fahrt lässt auch uns an Geschwindigkeit verlieren, die Flusslandschaft ist vielgestaltig und wird immer wilder und einsamer, je näher wir Prieros kommen. Den Wolliner See müssen wir noch durchqueren. Wir werden ruhiger und die Stimmung ist friedlich und relaxed. Reiher, Enten, Schwäne und Kormorane ergreifen nicht die Flucht, wenn wir uns nähern.
A traut sich auch das Steuer zu übernehmen, ich trau mich nicht, nur an den Schleusen übergibt er lieber dem erfahrenen Solarbootfahrer Ar das Ruder.
Das ehemalige Landschulheim, in dem wir übernachten wollen, liegt idyllisch von Bäumen umgeben dicht an der Dahme. Nachdem wir die Zimmer eingenommen haben, gehen wir runter zum Fluss. Es ist schon alles für uns vorbereitet: verschiedene Salate, Brote und zum Grillen mit Schafskäse gefüllte Paprika stehen auf einem Tisch
neben dem Grill am Flussufer. Beleuchtung haben wir von unserem Boot, das jetzt erst mal mit Strom aus der Steckdose gefüttert wird, unser Notebook liefert die Musik. Wir machen’s uns bequem, essen, labern oder gucken einfach auf den Fluss, und zum Nachtisch gibt’s (Überraschung!) einen Joint. Da alle außer uns Frühaufsteher sind, verabschieden sich die anderen bald, und wir gehen mit unserem Notebook ins Zimmer; ich mach noch einen winzigen Joint von Ar’s Ganja. Wir legen uns auf das untere der Stockbetten, löschen das Licht und träumen mit Musik von Tool und Hope Sandoval – wir sind noch sehr lange wach, würden gerne vögeln, doch das Bettzeug hat keine Bezüge und riecht streng, die Stockbetten törnen uns auch nicht gerade an.
Als D uns, wie verabredet, um 8 Uhr weckt, kommt es mir so vor, als hätten wir uns gerade erst hingelegt. Wir sind beide noch sehr müde, doch der Gedanke an den bevorstehenden Tag – wir wollen ja die ganze Strecke bis Berlin mit dem Boot fahren – lässt uns jede Müdigkeit vergessen, und nach dem Frühstück sind wir einigermaßen munter.
Es ist ein wahnsinniges Gefühl, so langsam und geräuschlos durch die Flüsse und Seen zu gleiten, man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Die Stimmung auf dem Boot ist völlig entspannt, zeitweilig habe ich richtige Glücksgefühle und könnte die Fahrt, die acht Stunden dauert, unendlich ausdehnen. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, es gibt riesige alte Bäume zu bestaunen, und lange Strecken stört nichts das Auge. Zum Glück hat das Boot ein Dach, doch wir kriegen trotzdem reichlich Sonne ab.
Langsam und gemächlich geht es voran, wir lassen die Schnelllebigkeit weit zurück, unterhalten uns auch nur ab und an – es herrscht eine total friedliche Übereinkunft.
Kaum haben wir Berlin erreicht, überstürzt sich alles, an der Bushaltestelle reden wir zwar noch von gemeinsamen Abendessen oder ähnlichem, doch dann kommt der Bus, wir stürzen hinein und A. und ich überlegen, wie wir am schnellsten nach Hause kommen und müssen auch alsbald umsteigen. Hals über Kopf verabschieden wir uns, winken von der Straße noch mal und sind wieder in der Hektik Berlins gefangen.
Wochenend-Exkursion nach MeckPom
Sonntag, 01.06.08, 23:28 Uhr
Der Freitagmorgen, vor Abfahrt unserer Wochenend-Exkursion mit der Bezirksgruppe Lichtenberg, ist sehr hektisch für uns. Da wir Donnerstag bei der BVV in Pankow waren, und die BI uns anschließend noch zu einem kleinen Umtrunk eingeladen hat und wir nicht schon wieder ablehnen konnten, wurde es sehr spät, wir sind erst Freitagmorgen gegen ½ 5 ins Bett – doch wir schaffen es, pünktlich zur verabredeten Zeit um 16 Uhr in der Wollankstr. zu sein. Es sind schon alle, die mit dem Kleinbus mitfahren, versammelt, außer H., die eine Radpanne hatte und mit schwarzverschmierten Fingern zeitgleich mit uns eintrifft.
Nachdem wir noch schnell die Toilette aufgesucht haben und H. sich etwas gesäubert hat, kann’s losgehen. Unser Wochenendtrip führt uns diesmal in die Peene-Niederung nahe Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. In der hintersten Reihe sitzt Fam. K. und Fr. Dr. St., davor wir und P., vorne natürlich der Fahrer J., daneben K. und H. Ich bin froh, dass H. nicht neben uns sitzt, da sie ununterbrochen redet. Ich kann von hinten sehen, wie K.s Gesicht sich nach einer Stunde oder früher verdüstert… ansonsten verläuft die Fahrt ohne weitere Zwischenfälle; es ist heiß, doch im Bus noch einigermaßen auszuhalten.
Gegen 18 Uhr erreichen wir Galenbeck, ein kleiner netter Ort, das Gasthaus ist ruhig gelegen, das Haus von außen mit Efeu bewachsen. Ehe wir aussteigen, klärt J. uns noch schnell auf: der Inhaber hatte vor kurzem einen Schlaganfall, eigentlich betreibt er die Pension nicht mehr und wir sollen Rücksicht nehmen , wenn er etwas komisch ist – später erfahren wir noch, dass seine Frau gelähmt ist, die Köchin in den Westen abgehauen ist und einiges mehr. Ich denke schon an einen grimmigen alten Kauz, doch es erwartet uns ein ausgesprochen freundlicher Gastgeber, der alles richtig machen möchte. Das Haus wirkt von außen kleiner als es ist, im Innern sind großzügige Räume. Fam. D. und Fam. Sch., die mit PKWs anreisten, sind schon da, und ich denke, sie haben uns bestimmt die besten Zimmer weggeschnappt, doch wir kriegen ein ziemlich großes Zimmer mit TV und vor allem das Bad für uns alleine. Ich bin zufrieden! In der Ferienwohnung unterm Dach, die schräge Wände hat und ziemlich warm ist, gibt es zwar eine Küche, aber nur ein Bad für zwei Zimmer, die bescheidenen K.s nehmen vorlieb damit, ins zweite Zimmer muss R. mit Frau (ein Neuer den wir noch nicht kennen), da sie als letzte kommen.
Wir packen aus, nehmen Ferngläser und Foto und gehen wieder nach unten. Alle sind schon versammelt – wir fahren zum Südufer des Galenbecker Sees und steuern einen Beobachtungsturm an. Hier weht der Wind dermaßen stark, dass ich froh bin, meine Jacke mitgenommen zu haben. Wir sehen mehrere Enten und Gänsearten (s.Liste), Fischadler, Seeadler und Rothalstaucher…. Ich bin sofort von der Landschaft und der Stille begeistert. Da wir Ornithologen und Ornithologie-Interessierte dabeihaben, werden auch sogleich vom Ober-Orni Zettel und Stift herausgeholt und die Arten aufgelistet – 100 müssen es schon werden. Ich weiß nicht mehr, wie viel Arten wir gleich am ersten Abend gesichtet haben, doch ich glaube, es waren schon über achtzig. J. hat auch ein Spektiv mitgebracht, was noch mal ein ganz anderes Erlebnis ist, die Tiere so gut sehen zu können, ohne ihnen auf die Pelle zu rücken. Nachdem wir uns satt gesehen haben, melden sich auch langsam unsere Mägen. Zögernd verlassen wir den Hochstand und fahren nach Friedland in ein Fischrestaurant am Mühlenteich. Wir stellen mehrere Tische (wir sind ja immerhin 15 Personen!) dicht ans Wasser, so dass wir das Treiben auf dem Teich beobachten können. Das Essen dauert lange, da die Kellnerin alleine ist und in dieser Richtung auch keinen Spaß versteht – doch es ist ausgezeichnet!
Später sitzen wir noch ‘ne Weile im Garten des Gasthauses und unterhalten uns, doch da wir morgen viel vorhaben, ziehen sich alle bald in ihre Zimmer zurück. Für A und mich fängt der Abend eigentlich jetzt erst an, wir haben einen völlig anderen Rhythmus, können nicht um 11 / ½ 12 schon pennen. Wir zappen noch ein bisschen im Fernsehen rum und legen uns schließlich um ½ 2 ins Bett, der Wecker steht auf ½ 7. Wir schlafen sehr unruhig – bevor der Wecker morgens loslegt, sind wir beide schon wach. Wir duschen, packen den Krempel, den wir mitnehmen wollen, und gehen runter – es ist erst ¼ nach 7. Das Frühstück ist o.k., nur der Kaffe natürlich viel zu dünn für uns. Wir machen uns noch ne Stulle als Proviant und dann kann’s losgehen.
Wir fahren zum Anklamer Stadtbruch, steuern erst mal wieder einen Beobachtungsturm an, machen dann eine Wanderung auf dem alten Bahndamm der „Bäderbahn“ entlang der Kormorankolonie bis zur Ruine der Hubbrücke. Wir sind geplättet von der Komorankolonie, Baum an Baum, alle mit Kormorane und Nester besetzt – sieht fast aus wie in Keoladeo. Die Bäume stehen im Wasser und sind abgestorben. Durchs Fernglas oder noch besser Spektiv kann man in die Nester schauen und die Jungen beobachten. Es müssen Tausende sein. Hoffentlich kommen nicht wieder irgendwelche Idioten auf die Idee, dass sie dezimiert werden müssen, da sie ja den Anglern den Fisch wegfressen.
Wir wandern in ziemlicher Hitze bis zur Ruine, dort machen wir Rast und finden auch am See einen Imbiss mit Fischbrötchen und Kaffee. Da wir noch keinen Hunger haben, nehmen wir uns was mit. Wir laufen den gleichen Weg wieder zurück, es ist jetzt noch heißer, doch vorn auf dem Hochstand, wo unsere Wanderung begann, ist es so windig, dass man sich gut abkühlen kann. Wie sich später herausstellen wird, hat unsere Sonnencreme, die noch aus Bangkok ist, also somit mindestens 7 Jahre alt, noch gewirkt, sogar A mit seiner sonnenempfindlichen Haut hat keinen Sonnenbrand gekriegt. Wir verweilen hier noch einige Zeit, können unsere Artenliste auf 99 erhöhen und fahren dann zum Schlosspark Putzar. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt und stellen unser Spektiv am Rande der Landstraße auf, um vielleicht Schreiadler zu sehen, die hier schon mal gesichtet wurden. Mancher/m aus der Gruppe ist das nach ‘ner Weile doch zu blöd und sie flüchten ins Auto, zumal alle, die vorüber fahren, uns erstaunt beobachten.
Nach knapp einer Stunde fahren wir zum Schlosspark. Hier gibt es dicke alte Buchen, Eichen, Ulmen, Pappeln, Kastanien und Ruinen zu besichtigen. Ein Baum hat seine Wurzeln so um das Mauerwerk gelegt, dass er mich an Ankor Wat in Kambodscha erinnert. Lange könnte ich hier verweilen, der Park ist sehr großzügig angelegt und durch die riesigen Baumkronen ist es angenehm kühl. Hier haben Rot- und Braunkehlchen, Eichelhäher und Buntspecht unserer Liste aufgestockt – aber so genau weiß ich das nicht mehr. Der Ober-Orni hat mir zwar die Liste geschickt, aber was wir wann wo gesehen haben, ist mir schon entfallen. Ich glaube auch, ohne die Spezialisten hätte ich nicht mal die Hälfte der Vögel gesehen.
Zum Abschluss des Tages fahren wir noch ans Nordufer des Galenbecker Sees, auch hier entdecken wir noch nicht Gesehenes, ich glaube unter anderem einen Rothalstaucher oder hatten wir den schon? – Egal! Gegen 19 Uhr fahren wir zurück zu unserem Gasthaus, machen uns frisch und J. wirft den Grill an, K. hat wie immer bei solchen Gelegenheiten das Fleisch schon zu Hause vorbereitet und zwei weitere Teilnehmer haben je ein Brot gebacken, K. schneidet noch Tomaten und Gurken und für uns gibt es vegetarisches Kassler – schmeckt gegrillt ganz lecker. Wir machen’s uns gemütlich, erzählen Geschichten von Reisen, Kindheitserinnerungen oder reden über die Fahrten, die wir in den vergangenen Jahren gemeinsam gemacht haben. A zieht sich um 22 Uhr zurück, ich folge ihm alsbald, da wir Frauenboxen (Ina Menzer gegen Stacey Reille) gucken wollen (Ina siegt durch techn. K.o. in der 4. Runde und bleibt Doppel-Weltmeisterin) – auch die anderen hält’s nicht mehr lange, es war ein anstrengender Tag und alle sind müde. Wir gehen etwas früher ins Bett und schlafen auch ganz gut bis um ½ 7 der Wecker klingelt.
Heute heißt es schon wieder Abschied nehmen, wir packen gleich nach dem Duschen unseren Krempel zusammen. Doch bevor wir zurück nach Berlin fahren, wollen wir noch Orchideen sehen. Wir fahren in die Peeneniederung bei Anklam: auch ein schönes Gebiet mit Teichen, vielen Wasservögeln und Mohnblumenfeldern. Wir haben insgesamt 112 verschiedene Arten Vögel gesichtet, laut den Ornis ganz beachtlich. Wir gehen langsam, stellen immer wieder das Spektiv auf, um besser beobachten zu können. Später fahren wir zu den Peenewiesen bei Gützkow. Hier kommen endlich die Orchideen-LiebhaberInnen auf ihre Kosten: Wiesen mit Trollblumen und verschiedenen Knabenkräutern – ähnliches habe ich nur im Unstruttal gesehen. In den Teichen, die es
auch hier gibt, entdecken wir Grünfrösche, die blau- und türkisfarben im Sonnenlicht schimmern. Wir bewundern und fotografieren die Orchideen von allen Seiten, halten noch mal Picknick und gegen 14 Uhr machen wir uns endgültig auf den Heimweg.
Es ist unerträglich heiß im Bus, aber wenigsten sitze ich nicht wie bei der Hinfahrt auf der Sonnenseite – A pennt die meiste Zeit. Gegen 16 Uhr sind wir am S-Bahnhof Pankow, hier verabschieden wir uns, mit dem Versprechen nächstes Jahr wieder mitzufahren und bedanken uns noch mal ganz herzlich bei J., der wieder alles so super organisiert hat. In Berlin ist es heiß und stickig, doch unsere Wohnung ist noch recht angenehm.
Es war ein wundervolles Wochenende, fast schon ein Kurzurlaub. Wir haben uns auch alle recht gut vertragen, keiner hat Probleme gemacht – war nicht immer so. Wir sind übrigens die einzigen Wessis in der Gruppe gewesen.