Raum ist in der kleinsten Hütte
Sonntag, 18.05.08, 23:50 Uhr
Ich freu mich, dass der Himmel wieder düster ist, fällt die Schmuddeligkeit unserer Bude nicht so auf. Sauber machen finde ich blöd, da in kürzester Zeit der gleiche Zustand wieder erreicht ist. So richtig großen Hausputz machen wir gar nicht mehr, ist uns die Zeit zu schade – machen nur noch Schadensbegrenzung! Je mehr Raum da ist umso mehr Dreck – im Grunde würde uns ein Zimmer reichen. Wir haben schon auf sehr engem Raum gelebt, und uns hat das nie gejuckt.
Das kleinste Reich was wir je hatten, war ein Hotelzimmer in Bangkok: zwei Betten, zwei Kissen, zwei Wolldecken, ein winziges Tischchen, eher schon so ne Art Fußschemel, drei Haken an der Tür und drei Kleiderbügel. Hier haben wir ausnahmsweise die Betten mal nicht zusammen geschoben. Zwischen den Betten war nur ein schmaler Streifen, so breit, dass genau der Fußschemel dazwischen passte; so konnten wir den nachts als Nachtschrank nutzen und am Tag als Esstisch. Als Kleiderschrank diente uns eine Wäscheleine quer durchs Zimmer gespannt, für die besseren Klamotten hatten wir ja die Kleiderbügel an den Haken, auch zum Lüften, wenn wir verschwitzt von draußen kamen. Die Wolldecken unter den Betten ausgebreitet gaben perfekte Bücher-, Geschirr- und Wäscheschränke ab. Vorne, vor den Betten war noch ein halber Meter Platz für unseren Kocher, Abfalleimer und die Rucksäcke. Wir haben in diesem winzigen Reich sogar Besuch empfangen. Ein Pärchen aus Berlin, das nur auf Urlaubsreise war; sie haben uns mit Gras erheitert und Geschichten aus Deutschland eher gelangweilt, wir haben sie dafür mit Kaffee, Tee und Keksen bewirtet. Für jedes Pärchen ein Bett und den Ventilator auf höchster Stufe, so haben wir stundenlang Blödsinn geredet.
Die beiden wohnten übrigens in einem geräumigen Luxushotel, das uns wenig imponierte. Am nächsten Tag wollten sie schon weiter, da ihr Bus erst abends abfuhr, die Check out time aber schon mitttags um 12 war, haben wir auch noch Platz für ihr Gepäck gefunden. Wir haben noch mehrere Wochen in diesem Zimmerchen gelebt. Ich kann mir niemand außer A vorstellen, mit dem ich es auf so engem Raum aushalten würde. A ist der einzige Mensch der mich nie stört …
Anstrengender Samstag
Sonntag, 18.05.08, 15:38 Uhr
Ein anstrengender Samstag liegt hinter uns! Sieben Büros haben sich vorgestellt: mehrheitlich Landschaftsarchitekten, für jedes Büro war eine Stunde für Vortrag und Fragen vorgesehen. Wir haben unseren Zeitplan recht gut eingehalten und uns mittels selbst entworfener Bewertungsbögen die Entscheidung etwas erleichtert. Erstaunlicherweise, die Juri bestand immerhin aus zehn Personen, konnten wir uns ziemlich schnell auf drei Büros einigen, die wir morgen dem Mediationsforum vorstellen werden, und das WSA hat dann die Aufgabe eins davon auszuwählen. Nachdem wir gestern von 9 – 18:30 Uhr getagt haben, war abends nicht mehr viel mit uns los, zumal Freitagnacht nur 3 Stunden Schlaf drin waren – wir sind halt keine Frühzubettgeher und schon gar keine Frühaufsteher.
Heute nun sitzt A am längst überfälligen Newsletter, wird sich wieder lange hinziehen und morgen ist von 16:30 – 21:30 Uhr Med.Forum, am Dienstag 1. Arbeitskreis des Luisenstädt.Kanals und so ähnlich setzt sich der Mai fort. So langsam wächst uns das Bürgerengagement über den Kopf, zumal ja auch kein Geld reinkommt – doch es fällt auch schwer, sich wieder rauszunehmen, uns liegt ja was an dem Erhalt der Stadtnatur! Trotzdem frage ich mich, wo ich gelandet bin, irgendwie passt das alles nicht zu mir. Ich versuche immer die Dinge von außen zu betrachten, und da sehe ich mich nicht in den Gruppen der Bürgerinitiativen – passt nicht! Die Zeit des Reisens? Ja, da bin ich deutlich zu sehen!
Um unsere persönlichen Belange, wie z. B. A.s Erbschaft kümmern wir uns einfach nicht, haben keine Zeit… ich möchte auch gerne mal wieder verreisen, seit den 5 Wochen Indien Anfang 2006 sind wir ununterbrochen, außer 2-4 Wochenendtrips ins Umland, in Berlin gewesen. Prioritäten setzen – ist uns schon immer schwer gefallen!
Boah ist das langweilig, interessiert doch keinen – und am allerwenigsten mich selbst. Da les’ ich doch lieber weiter Glumm…
Karneval der Kulturen
Dienstag, 13.05.08, 21:04 Uhr
Rechtzeitig zum Karneval der Kulturen kriegt A. Rückenschmerzen. Er ist psychisch schwer angeschlagen
und wir fragen uns, ob die Rückenschmerzen davon kommen oder umgedreht. Ich bin schon bereit, den Karneval zu opfern, da ja das Rumstehen für den Rücken besonders schlimm ist. Doch mit Zuhilfenahme von Schmerzmitteln marschieren wir hin, A macht 221 Fotos, er nimmt überwiegend hübsche Frauen und Mädchen auf. Er hätte gerne noch mehr gemacht, aber die Speicherkarte ist voll.
Zum ersten Mal treffen wir Bekannte, was schon erstaunlich ist bei den Menschenmassen; eine Frau, die sich seit kurzem in der BI engagiert, sie redet wirres Zeug und riecht nach Alkohol. Wir fragen sie nach dem Protokoll, das sie verfassen und schicken wollte. „Nun ja, ich habe einen Spanier zu Besuch und der belagert mein Wohnzimmer und da steht mein Computer und jetzt hab ich ihn
verloren, er redet auch wahnsinnig viel.“ So genau wollten wir es gar nicht wissen! Wir sind erleichtert, als sie sich auf die Suche nach ihrem Spanier macht. Als nächstes kommt eine blaugrün geschminkte Frau tanzend aus einer Umzugsgruppe auf uns zu, will uns umarmen. Wir erkennen sie nicht gleich. Es ist J aus der anderen BI, die aber schon länger nicht mehr mittut. Es gelingt A nicht, ein vernünftiges Foto von ihr zu schießen; erst streckt sie ihm die Zunge raus, dann zieht sie so ein blödes Gesicht, das A meint: „Bleib doch mal natürlich.“ „Kann ich nicht“, maunzt sie kleinmädchenhaft. Schließlich tanzt sie von dannen – wir sind nicht böse.
Ständig muss ich nach A Ausschau halten, der mit der Kamera den Schönen hinterher jagt, doch ich bleibe gelassen. Aus Solidarität habe ich auch Schmerzmittel (Opiode) genommen und bin recht cool und ein bisschen euphorisch. Jaja, ich lege mich nicht nur mit ins Bett wenn A krank ist, ich nehme auch die entsprechenden Tabletten! So bin ich halt…
Als A. nicht mehr fotografieren kann, hat er auch keine Lust mehr, wir gehen den weiten Weg zu Fuß nach Hause. Wir haben heute keine Lust zu arbeiten, machen uns einen netten DVD-Abend. Zum Glück merkt A nichts von den Schmerzen – die Opioide wirken gut…
Aussichten
Dienstag, 06.05.08, 00:17 Uhr
Mit Hilfe von Medicine (bin etwas kränklich) habe ich es geschafft, heute am Arbeitskreis Sanierung teilzunehmen. Es war wieder ziemlich anstrengend, doch anstrengender war die Fahrt mit dem Fahrrad dorthin, weil es ein ganzes Stück bergauf geht und unsere Kiezgurken nur 3 Gänge haben. Ich bin sehr froh wieder zu Hause zu sein, wir trödeln ein bisschen rum, schauen uns Videos von Queen Adreena an – wir können nie genug bekommen, sind überaus fasziniert von ihr.
So langsam lichten sich ein paar unangenehme Dinge: die Arbeitsgerichtsache ist vom Tisch, wir haben einen Vergleich geschlossen, Geld haben wir allerdings noch nicht. Das Gutachten in der Erbschaftsangelegenheit ist auch eingetroffen und es sieht erheblich besser aus als das vom Ortsgericht, doch auch da dürfte es schwierig werden, endlich mal Geld zu sehen!
Etwas Geld zu bekommen wäre schon nicht schlecht. Vielleicht, wenn das Mediationsverfahren zum Abschluss gebracht ist, reisen wir wieder – wäre doch großartig, unser Reiseleben für eine Weile wieder aufzunehmen. Zumindest hat A. es in Aussicht gestellt, doch die Mediation kann noch ziemlich lange dauern…
Nun ja, von einer höheren Warte aus gesehen, ist dies alles nicht so wichtig. Ich nehme das Leben im Moment einfach so wie es ist, ohne ständig alles anders haben zu wollen. Das kostet Nerven und ist auf Dauer sehr anstrengend. Auch wenn wir uns manchmal etwas fern sind, kommst Du immer an erster Stelle und ohne Dich mein Liebster geht gar nichts. Ohne Liebe zu leben, muss sehr traurig sein… In den unpassendentsen Momenten, wenn wir unter fremden Menschen sind und A gerade redet, ernste Dinge von sich gibt, möchte ich ihm sagen, wir sehr ich ihn liebe. Ich betrachte ihn unter all den Leuten und finde ihn wahnsinnig schön, möchte ihn jetzt auf der Stelle umarmen und küssen, was natürlich nicht geht. Vielleicht sollte ich einfach mal meinen Neigungen nachgeben – zumindest würde es einiges Erstaunen hervorrufen – würde mir schon gefallen! Doch ich bin zu feige und A wäre ziemlich irritiert, vielleicht würde er mich wegstoßen?!
















