Bäume schlachten
Donnerstag, 24.04.08, 23:49 Uhr
Heute morgen durften wir zusehen, wie in der Ystader Straße/Prenzelberg die in voller Blüte stehenden Traubenkirschen gefällt wurden. es war ein trauriges Schauspiel – die Anwohner kämpfen schon seit einigen Monaten für den Erhalt ihrer Straßenbäume. Viele Bäume wurden schon gefällt und es sollen noch mehr gefällt werden, alles im Namen der Verkehrssicherheit. Gutachten und Gegengutachten wurden erstellt, Sitzungen abgehalten etc. pp. – alles nur Hinhaltetaktik. Fakt ist, die Bäume zu erhalten, d. h. zu pflegen, evtl. zurück zuschneiden oder wenn der eine oder andere wirklich nicht zu halten ist, neue größere Setzlinge zu pflanzen ist dem Amt einfach zu teuer, fällen ist einfacher und billiger. Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung gibt es immer noch nicht, die Bürger fühlen sich mit Recht verarscht und ihr Protest wird einfach ignoriert.
Früh morgens ist das Fällkommando in Begleitung der Staatsgewalt
angerückt. Etwa 20 Leute hatten sich versammelt, ein Baum, indem wir ein Nest ausmachen konnten, lassen sie vorläufig leben. Um den ersten Baum dem es an den Kragen gehen sollte, drängten sich ein paar Mutige: sie schmiegten sich eng an ihn und hielten sich fest an den Händen, doch es nützte dem Baum nichts, die die nicht freiwillig gehen wollten, wurden von der Polizei mit Gewalt entfernt und wir mussten mit ansehen, wie die Bäume Ast für Ast in kleine Stücke zerlegt wurden, doch leise taten wir das nicht, einige schlugen mit Löffeln oder andern Gegenständen auf Töpfe ein, andere pfiffen laut oder hatten Trillerpfeifen dabei. Eine Anwohnerin sägte laut und schrill, die ganze Zeit mit unbeweglichem Gesicht am offenen Fenster stehend, mit einem Saiteninstrument.
Ich konnte es nicht lange aushalten, nach dem dritten gefällten Baum kamen mir endlich die Tränen und da wir eh nichts, aber auch gar nichts für die Bäume tun konnten, fuhren wir traurig nach Hause.


