Krasser Tag in Sachen Erbschaft

April 22, 2008 at 2:16 (Familie, Frust, Schauplätze) (, , , )

Samstag, 19.04.08, 04:23 Uhr

Was für ein langer grässlicher Tag…

Nach ca. 3 Stunden Schlaf sind wir um ½ 7 aufgestanden, völlig tranig und daneben (zumal wir V genommen hatten), wir erledigen das Morgenprogramm und sind pünktlich am Bahnhof und der Zug fährt auch pünktlich um 9:26 Uhr ab. Wir haben genug Lesestoff dabei, doch ich bin so müde, dass ich die Augen schließe, schlafen kann ich allerdings nicht – gegen ½ 11 werfen wir je 3 T. Da wir 4 Sitzplätze mit Tisch für uns alleine haben, kann sich A. irgendwie hinlegen – ich gebe ihm noch meinen weichen Schal als Kopfkissen – und pennen. [Ich bin zu müde jetzt, schreibe morgen weiter...]

[Gleicher Tag, 23:50 Uhr] Ich starre vor mich hin, schließe ab und zu die Augen, doch schlafen ist nicht, und immer wenn ich die Augen öffne, starrt mich so ein Anzugtyp an – ist extra umgezogen, um mich besser sehen zu können. Beim Aussteigen kommt er an meinem Sitzplatz vorbei und sagt mir, dass ich atemberaubend aussehen würde?! Ist es mein freizügiges Dekolletee oder was? Da wir über eine Stunde vor verabredeter Zeit mit dem Gutachter in Ltb. ankommen, machen wir noch einen Umweg zum Friedhof, pfeifen uns dort kurz entschlossen noch je 2 T. ein und gehen dann zu A.s Haus. Er kann mit seinem Schlüssel nicht öffnen, da von innen einer steckt, also müssen wir klingeln. Der Bruder R. öffnet: wir begrüßen uns nur mit „Hallo“, die Schwägerin U. kommt gar nicht ran – A. fragt ob der Gutachter schon da sei, nachdem R dies verneint, gehen wir in den Garten und danach in A.s ehemaliges Zimmer. Wir wollen uns gerade setzen, da klingelt es, der Gutachter! Er macht einen sympathischen Eindruck, wir stellen uns vor uns setzten uns im Esszimmer an den Tisch, d. h. U. und ich etwas abseits. R. holt den Ordner mit den Bauplänen, jeweiligen Anbauten etc., fragt jetzt auch, ob der GA vielleicht einen Kaffee oder was anderes trinken möchte – uns fragt er nicht – der lehnt übrigens ab. Der Gutachter schaut den Ordner durch und muss bei jedem Plan, den er braucht, fragen ob er ihn mitnehmen kann und jedes Mal versprechen, dass er es zurückschickt. Nun wird Haus und Grundstück besichtigt, er fotografiert alles – ich bleibe während der Begehung im Esszimmer sitzen, während U. natürlich mitgeht und ihn auf alle Mängel aufmerksam macht – ich höre überwiegend sie reden. Als sie zurück kommen, erklärt der GA, wie in etwa die Verkehrswertermittlung zustande kommt und wie lange es dauert (erwähnt dabei noch, was mich besonders freut, dass das Ortsgericht für so was nicht in Betracht kommt und auch keine reellen Gutachten erstellen kann, jetzt sage ich das erste und einzige mal was: „Das hat man mir auch gesagt, deswegen haben wir ja nun sie beauftragt.“), fragt, wer der Auftraggeber ist und wem er das Gutachten schicken soll. R. möchte natürlich auch eine Kopie – ist doch völlig klar! Der GA bietet an, schon vorab, sobald er den Betrag weiß, A anzurufen, liest noch mal A.s Handynummer vor. R wird unruhig, schreibt ihm schnell noch seine Telefonnummer auf: „Ich möchte auch angerufen werden!“ Der Gutachter fragt, ob wir heute noch nach Hause fahren. Ehe wir noch antworten können, meint R. wir bleiben noch hier – der GA darauf: „Naja Sie meinte ich eigentlich nicht, sie haben’s ja nicht so weit.“ Er wünscht uns noch eine gute Heimreise, gibt allen die Hand und ist weg. A. und ich schauen uns nur kurz und einvernehmend an, erheben uns fast gleichzeitig und A meint nur, wir müssen uns dann auch verabschieden, wir sagen „tschüss“ und sind auch schon in unseren Jacken und an der Haustür als R sagt: „Wollt Ihr vielleicht einen Kaffee?“ „Nein, danke“, entgegnet A. Wie gerne hätten wir Kaffee getrunken, doch das war ja fast schon eine Beleidigung. Die besitzen nicht mal ein Minimum an Höflichkeit oder gar Gastfreundschaft, man bedenke, dass wir eine Zugfahrt hinter uns haben. Besser konnten sie uns eigentlich nicht zeigen, was sie von uns halten, diese Arschlöcher!

Es ist noch nicht mal 16 Uhr und unser Zug fährt erst um 20:18 Uhr, doch es ist wunderbares, sonniges Wetter und so machen wir einen „Spaziergang“ zu unserer Hütte, wo wir früher oft gesessen und geträumt haben. Zum Glück haben wir noch Brote und etwas Wasser. Wir setzen uns auf die Bank in die Sonne, essen unsere Stullen und bleiben lange mit geschlossenen Augen, halb dösend, dort sitzen. Irgendwann meint A. ob wir noch woanders hinlaufen sollen, da wir noch sehr viel Zeit haben, es ist erst 20 nach 5, gehen wir langsam, uns unterhaltend weite Wege. Doch, man ahnt es schon, wenn man A und B ein bisschen kennt, wir vertun uns mit der Zeit, laufen viel zu weit weg und müssen uns dann mächtig ins Zeug legen, müssen eine lange Strecke im Dauerlauf zurücklegen. Ich halte mich mit meinem Gemecker zurück, da das nur Kraft kostet. Wir gehen die ganze Zeit in sehr schnellem Schritt, aus Angst, zum Schluss vielleicht noch richtig rennen zu müssen – außerdem lässt der Gedanke, zu den „Lieben“ zurück zu müssen, keine Müdigkeit aufkommen. Wir haben so einen Zahn drauf, dass wir schon um 20 Uhr am Bahnhof sind, lassen uns erleichtert auf eine Bank fallen, jetzt ist noch Zeit einen Eiskaffee zu trinken – das einzige außer Limonade und Cola was es hier gibt.

Die kurze Strecke von L nach F verbringen wir dösend, wenn die Schüler nicht so viel labern würden, wären wir bestimmt richtig eingeschlafen, hätten vielleicht vergessen, umzusteigen. In F haben wir nur 14 Minuten Aufenthalt, reicht gerade für einen Kaffe und paar Züge an der Zigarette. Bis G lesen wir, ich in meinem Buch und A. Lettre, in G haben wir so gut wie keinen Aufenthalt, aber wir müssen auch nur zum gegenüberliegenden Gleis. Die restliche Fahrt verläuft ohne große Zwischenfälle, wir lesen viel und manchmal träume ich ein bisschen vor mich hin. 20 nach 12 sind wir in Berlin, (wir waren selten so glücklich wieder in B zu sein!). Schlesisches Tor steigen wir aus und holen uns in unserer Lieblingsbäckerei noch was zu essen, die Gemüse-Käse-Taler sind noch heiß und wir essen sie im Laufen, damit wir keine Zeit verlieren, kochen uns natürlich zu Hause noch Glücks-Tee, es ist auch ziemlich kalt und ich heize noch ein. Wir hören Musik, reden, surfen, A arbeitet noch ein bisschen, und legen uns gegen 7 aufs Sofa, schlafen bei Musik von Hope Sandoval ein. Wir schlafen wunderbar, hätten gerne noch länger geschlafen, doch B. vom Quartiers-Management ruft um ¼ nach 1 an, wir gehen zwar nicht ran, aber die Mailbox nervt und ich muss sie abhören und dann klingelt auch noch A.s Handy – wir bleiben zwar noch bis kurz vor 2 liegen, können aber nicht mehr einschlafen. Mit Katerstimmung erheben wir uns und bereiten missmutig unser Frühstück.

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