Tag des Baumes
Freitag, 25.04.08, 14:22 Uhr
Zum „Tag des Baumes“ pflanzte der Pankower Bürgermeister, ja genau der, der die vielen Traubenkirschen fällen lässt, wie jedes Jahr seit 2002, ein Bäumchen. Die Bürger waren sehr aufgebracht (hier pflanzt er einen Baum, während er im Gleimviertel 60 fällen lässt!), doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen; naja, wir haben zumindest soweit gestört, dass es nicht mehr feierlich war – es herrschte eher Begräbnisstimmung.
Nachdem uns der Bürgermeister (übrigens in Begleitung von zwei Bodyguards) verlassen hatte, schmückten wir das neu gepflanzte Bäumchen noch ein bisschen, siehe unten!
Bäume schlachten
Donnerstag, 24.04.08, 23:49 Uhr
Heute morgen durften wir zusehen, wie in der Ystader Straße/Prenzelberg die in voller Blüte stehenden Traubenkirschen gefällt wurden. es war ein trauriges Schauspiel – die Anwohner kämpfen schon seit einigen Monaten für den Erhalt ihrer Straßenbäume. Viele Bäume wurden schon gefällt und es sollen noch mehr gefällt werden, alles im Namen der Verkehrssicherheit. Gutachten und Gegengutachten wurden erstellt, Sitzungen abgehalten etc. pp. – alles nur Hinhaltetaktik. Fakt ist, die Bäume zu erhalten, d. h. zu pflegen, evtl. zurück zuschneiden oder wenn der eine oder andere wirklich nicht zu halten ist, neue größere Setzlinge zu pflanzen ist dem Amt einfach zu teuer, fällen ist einfacher und billiger. Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung gibt es immer noch nicht, die Bürger fühlen sich mit Recht verarscht und ihr Protest wird einfach ignoriert.
Früh morgens ist das Fällkommando in Begleitung der Staatsgewalt
angerückt. Etwa 20 Leute hatten sich versammelt, ein Baum, indem wir ein Nest ausmachen konnten, lassen sie vorläufig leben. Um den ersten Baum dem es an den Kragen gehen sollte, drängten sich ein paar Mutige: sie schmiegten sich eng an ihn und hielten sich fest an den Händen, doch es nützte dem Baum nichts, die die nicht freiwillig gehen wollten, wurden von der Polizei mit Gewalt entfernt und wir mussten mit ansehen, wie die Bäume Ast für Ast in kleine Stücke zerlegt wurden, doch leise taten wir das nicht, einige schlugen mit Löffeln oder andern Gegenständen auf Töpfe ein, andere pfiffen laut oder hatten Trillerpfeifen dabei. Eine Anwohnerin sägte laut und schrill, die ganze Zeit mit unbeweglichem Gesicht am offenen Fenster stehend, mit einem Saiteninstrument.
Ich konnte es nicht lange aushalten, nach dem dritten gefällten Baum kamen mir endlich die Tränen und da wir eh nichts, aber auch gar nichts für die Bäume tun konnten, fuhren wir traurig nach Hause.
Krasser Tag in Sachen Erbschaft
Samstag, 19.04.08, 04:23 Uhr
Was für ein langer grässlicher Tag…
Nach ca. 3 Stunden Schlaf sind wir um ½ 7 aufgestanden, völlig tranig und daneben (zumal wir V genommen hatten), wir erledigen das Morgenprogramm und sind pünktlich am Bahnhof und der Zug fährt auch pünktlich um 9:26 Uhr ab. Wir haben genug Lesestoff dabei, doch ich bin so müde, dass ich die Augen schließe, schlafen kann ich allerdings nicht – gegen ½ 11 werfen wir je 3 T. Da wir 4 Sitzplätze mit Tisch für uns alleine haben, kann sich A. irgendwie hinlegen – ich gebe ihm noch meinen weichen Schal als Kopfkissen – und pennen. [Ich bin zu müde jetzt, schreibe morgen weiter...]
[Gleicher Tag, 23:50 Uhr] Ich starre vor mich hin, schließe ab und zu die Augen, doch schlafen ist nicht, und immer wenn ich die Augen öffne, starrt mich so ein Anzugtyp an – ist extra umgezogen, um mich besser sehen zu können. Beim Aussteigen kommt er an meinem Sitzplatz vorbei und sagt mir, dass ich atemberaubend aussehen würde?! Ist es mein freizügiges Dekolletee oder was? Da wir über eine Stunde vor verabredeter Zeit mit dem Gutachter in Ltb. ankommen, machen wir noch einen Umweg zum Friedhof, pfeifen uns dort kurz entschlossen noch je 2 T. ein und gehen dann zu A.s Haus. Er kann mit seinem Schlüssel nicht öffnen, da von innen einer steckt, also müssen wir klingeln. Der Bruder R. öffnet: wir begrüßen uns nur mit „Hallo“, die Schwägerin U. kommt gar nicht ran – A. fragt ob der Gutachter schon da sei, nachdem R dies verneint, gehen wir in den Garten und danach in A.s ehemaliges Zimmer. Wir wollen uns gerade setzen, da klingelt es, der Gutachter! Er macht einen sympathischen Eindruck, wir stellen uns vor uns setzten uns im Esszimmer an den Tisch, d. h. U. und ich etwas abseits. R. holt den Ordner mit den Bauplänen, jeweiligen Anbauten etc., fragt jetzt auch, ob der GA vielleicht einen Kaffee oder was anderes trinken möchte – uns fragt er nicht – der lehnt übrigens ab. Der Gutachter schaut den Ordner durch und muss bei jedem Plan, den er braucht, fragen ob er ihn mitnehmen kann und jedes Mal versprechen, dass er es zurückschickt. Nun wird Haus und Grundstück besichtigt, er fotografiert alles – ich bleibe während der Begehung im Esszimmer sitzen, während U. natürlich mitgeht und ihn auf alle Mängel aufmerksam macht – ich höre überwiegend sie reden. Als sie zurück kommen, erklärt der GA, wie in etwa die Verkehrswertermittlung zustande kommt und wie lange es dauert (erwähnt dabei noch, was mich besonders freut, dass das Ortsgericht für so was nicht in Betracht kommt und auch keine reellen Gutachten erstellen kann, jetzt sage ich das erste und einzige mal was: „Das hat man mir auch gesagt, deswegen haben wir ja nun sie beauftragt.“), fragt, wer der Auftraggeber ist und wem er das Gutachten schicken soll. R. möchte natürlich auch eine Kopie – ist doch völlig klar! Der GA bietet an, schon vorab, sobald er den Betrag weiß, A anzurufen, liest noch mal A.s Handynummer vor. R wird unruhig, schreibt ihm schnell noch seine Telefonnummer auf: „Ich möchte auch angerufen werden!“ Der Gutachter fragt, ob wir heute noch nach Hause fahren. Ehe wir noch antworten können, meint R. wir bleiben noch hier – der GA darauf: „Naja Sie meinte ich eigentlich nicht, sie haben’s ja nicht so weit.“ Er wünscht uns noch eine gute Heimreise, gibt allen die Hand und ist weg. A. und ich schauen uns nur kurz und einvernehmend an, erheben uns fast gleichzeitig und A meint nur, wir müssen uns dann auch verabschieden, wir sagen „tschüss“ und sind auch schon in unseren Jacken und an der Haustür als R sagt: „Wollt Ihr vielleicht einen Kaffee?“ „Nein, danke“, entgegnet A. Wie gerne hätten wir Kaffee getrunken, doch das war ja fast schon eine Beleidigung. Die besitzen nicht mal ein Minimum an Höflichkeit oder gar Gastfreundschaft, man bedenke, dass wir eine Zugfahrt hinter uns haben. Besser konnten sie uns eigentlich nicht zeigen, was sie von uns halten, diese Arschlöcher!
Es ist noch nicht mal 16 Uhr und unser Zug fährt erst um 20:18 Uhr, doch es ist wunderbares, sonniges Wetter und so machen wir einen „Spaziergang“ zu unserer Hütte, wo wir früher oft gesessen und geträumt haben. Zum Glück haben wir noch Brote und etwas Wasser. Wir setzen uns auf die Bank in die Sonne, essen unsere Stullen und bleiben lange mit geschlossenen Augen, halb dösend, dort sitzen. Irgendwann meint A. ob wir noch woanders hinlaufen sollen, da wir noch sehr viel Zeit haben, es ist erst 20 nach 5, gehen wir langsam, uns unterhaltend weite Wege. Doch, man ahnt es schon, wenn man A und B ein bisschen kennt, wir vertun uns mit der Zeit, laufen viel zu weit weg und müssen uns dann mächtig ins Zeug legen, müssen eine lange Strecke im Dauerlauf zurücklegen. Ich halte mich mit meinem Gemecker zurück, da das nur Kraft kostet. Wir gehen die ganze Zeit in sehr schnellem Schritt, aus Angst, zum Schluss vielleicht noch richtig rennen zu müssen – außerdem lässt der Gedanke, zu den „Lieben“ zurück zu müssen, keine Müdigkeit aufkommen. Wir haben so einen Zahn drauf, dass wir schon um 20 Uhr am Bahnhof sind, lassen uns erleichtert auf eine Bank fallen, jetzt ist noch Zeit einen Eiskaffee zu trinken – das einzige außer Limonade und Cola was es hier gibt.
Die kurze Strecke von L nach F verbringen wir dösend, wenn die Schüler nicht so viel labern würden, wären wir bestimmt richtig eingeschlafen, hätten vielleicht vergessen, umzusteigen. In F haben wir nur 14 Minuten Aufenthalt, reicht gerade für einen Kaffe und paar Züge an der Zigarette. Bis G lesen wir, ich in meinem Buch und A. Lettre, in G haben wir so gut wie keinen Aufenthalt, aber wir müssen auch nur zum gegenüberliegenden Gleis. Die restliche Fahrt verläuft ohne große Zwischenfälle, wir lesen viel und manchmal träume ich ein bisschen vor mich hin. 20 nach 12 sind wir in Berlin, (wir waren selten so glücklich wieder in B zu sein!). Schlesisches Tor steigen wir aus und holen uns in unserer Lieblingsbäckerei noch was zu essen, die Gemüse-Käse-Taler sind noch heiß und wir essen sie im Laufen, damit wir keine Zeit verlieren, kochen uns natürlich zu Hause noch Glücks-Tee, es ist auch ziemlich kalt und ich heize noch ein. Wir hören Musik, reden, surfen, A arbeitet noch ein bisschen, und legen uns gegen 7 aufs Sofa, schlafen bei Musik von Hope Sandoval ein. Wir schlafen wunderbar, hätten gerne noch länger geschlafen, doch B. vom Quartiers-Management ruft um ¼ nach 1 an, wir gehen zwar nicht ran, aber die Mailbox nervt und ich muss sie abhören und dann klingelt auch noch A.s Handy – wir bleiben zwar noch bis kurz vor 2 liegen, können aber nicht mehr einschlafen. Mit Katerstimmung erheben wir uns und bereiten missmutig unser Frühstück.
Nachschub…
Samstag, 12.04.08, 15:26 Uhr
Ich muss noch was nachschieben: die Leuchtkraft der Liebe ist zwar nicht mehr durchgänig da, doch sie kommt von Zeit zu Zeit mit voller Kraft hervor… immer und immer wieder – das ist doch sehr beruhigend!
Sometimes black
Freitag, 11.04.08, 21:43 Uhr

Im Keoladeo National-Park/India
Ich erinnere mich wie ich früher gesehen habe, auf meinen ersten Reisen nach Asien. Als ich zum ersten Mal über ein Korallenriff geschnorchelt bin, stockte mir fast der Atem oder zum 1. Mal im Dschungel war, die erste Begegnung mit einem Elefanten – ich war oft sprachlos und dachte immerzu, fast verzweifelt: wie soll ich dies alles nur den Zuhause gebliebenen schildern? (Konnte ja nicht ahnen, dass sie gar nichts hören wollen) Als ich nach Jahren abenteuerlichen Reiselebens nach Berlin zurückkehrte, und mir dort alles anders, interessanter, schöner erschien und ich einen unbändigen Elan hatte, der allerdings beim Arbeitsalltag schnell verebbte, doch der Gedanke, dass ich in absehbarer Zeit die Schönheit wieder finden, mein Reiseleben wieder aufnehmen darf, tröstete mich über alle Unbilden hinweg. Ein Jahr auf Reisen ersetzt zehn Jahre Leben hier in Deutschland – so kam es mir jedenfalls vor!
Wie im Laufe der Jahre alles stumpfer geworden ist, ich immer mehr Illusionen verloren
habe und auch die fernen Länder die wir bereisten mir so vertraut wurden, dass ich oftmals nur noch das Elend wahrnahm und die Schönheit nicht mehr richtig sehen konnte. Nur die Unterwasserwelt bildet eine Ausnahme, sie hat mich immer und immer wieder entzückt und fast so begeistert wie beim ersten Rausch – doch auch hier war die große Trauer unvermeidlich, da ich mit der Gewöhnung mehr und mehr die Zerstörung gesehen habe, und bei jeder Rückkehr die neuen Schäden sofort bemerkte. Manches mal habe ich leise in meine Taucherbrille geweint.
Und die Liebe? Wenn sie auch nicht untergegangen ist, hat auch sie an Leuchtkraft verloren… Wahrscheinlich ist das normal mit zunehmendem Alter, doch ich kann mich noch nicht damit anfreunden, dass das Leben so ist.
Musik? Ja, sie hat mich schon oft gerettet! Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht denkbar.
Als ich noch sehr jung war, lebte ich meistens in der Zukunft. Wenn auch alles wunderbar war, ich die irrsten Sachen erlebte, dachte ich immerzu was wohl noch kommen wird und wo ich morgen hinfahren soll und was ich dort sehen werde usw. usf. – Heute verschwende ich, wenn es besonders gut ist, keinen Gedanken an morgen!



