Arbeitsgericht und mehr
Dientstag, 12.02.08, 19:27 Uhr
Das Arbeitsgericht haben wir überstanden – lief sehr gut. Wir hatten das große Glück, dass eine Schulklasse, Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren, teilnahm, die mir mit Blickkontakten ihre Solidarität bekundeten und uns zum Abschied viel Glück wünschten. Die Richterin ist jung und wendet sich A. immer freundlich lächelnd zu, ja als unser Anwalt zu A.s Schreiben entschuldigend meint, dass dies ja wohl in einem Zustand der Verärgerung geschrieben wurde, meint sie milde lächelnd: „Doch wohl eher Enttäuschung als Verärgerung!“
Mit ziemlicher Sicherheit kommt die Entfristung durch und wir werden klagen, egal was es uns kostet. Der Anwalt der Gegenseite machte einen inkompetenten, ja wirren Eindruck, begründet jetzt die Entlassung nur noch mit A.s Alter. (Dieser rotgesichtige, weißhaarige Zausel ist mindestens zehn Jahre älter!) A. ist ruhig, leise aber bestimmt und wirkt sehr glaubwürdig, auch unser Anwalt hat mir heute gefallen; während die Gegenseite – ich bin ziemlich sicher – keine Sympathien hatte, weder von Seiten des Gerichts und schon gar nicht bei den SchülerInnen. Als sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, gehen wir mit unserem Anwalt auf den Gang, besprechen uns kurz, und entschließen uns auf Wiedereinstellung zu klagen – wir haben gute Chancen. Die Richterin macht einen Vorschlag auf Abfindungszahlung, der Anwalt der Gegenseite bleibt 500 Euro darunter und nachdem A. sich nicht einverstanden erklärt, legt er noch 500 drauf. A. meint nur: „Wir sind doch hier nicht auf dem Basar!“ Alle lachen inklusive Richterin, Beisitzer und Protokollführerin. Die Gegenseite entblödet sich nicht „O doch, wir verhandeln doch jetzt“, zu sagen. Unser Anwalt nun ganz souverän: „Mein Mandat lehnt das Angebot ab.“ Die Richterin abschließend: „Vielleicht können sich die Parteien ja mal aussprechen und gelangen so zu einer Einigung.“ Während die Geschäftsführerin wild den Kopf schüttelt (was keinen guten Eindruck auf das Gericht macht), meint A. nur: „Das wäre ja mal was ganz Neues.“
Ich hatte mich vor diesem Tag gefürchtet und bin jetzt richtig ein bisschen euphorisch.
Die Entgegnung auf R.s Email ist abgeschickt, und auch da hat A. den richtigen, kalten Ton getroffen. Es ist unglaublich, was R. uns für ein Angebot macht: er präsentiert uns die Schätzung des Ortsgerichts und zieht von dieser lächerlichen Summe alle Bausparvertragsauszahlungen inklusive Überweisungen an die Mutter aus ‘96 ab. Wenn es nicht so traurig wäre, würden wir lachen, die Bausparverträge hat die Mutter bezahlt und Geld das sie ihr überwiesen haben, schuldeten sie ihr mit Sicherheit oder haben es später wiederbekommen. Tja, nun müssen wir tätig werden, uns einen vernünftigen Gutachter suchen.
Unser K-Gruppentreffen gestern war recht fruchtbar, ein TFH-Professor erklärte uns die Varianten der Kanalsanierung und auch morgens die Begehung mit dem WSA und Leuten von der TU verlief zufrieden stellend. Hoffentlich geht es mal ne Weile so weiter…
Etwas ruhiger werde ich erst sein, wenn meine Lieblingsschwester ihre Bandscheiben-OP hinter sich hat. Mittwoch, also morgen, ist angedacht – ich telefoniere täglich mit ihr und versuche sie aufzubauen, was auch ganz gut klappt. Heute war sie nervös und ängtlich und hatte auch größere Schmerzen. Sie bedankt sich jedes Mal bei mir für mein Interesse und meine Unterstützung, was mir einigermaßen peinlich ist. Im Grunde ist es doch eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich mag. Sie ist auch mehr Freundin als Schwester für mich. Nach ihrer OP werde ich sie besuchen, leider wohnt sie nicht in Berlin und ich habe einen langen Anfahrtsweg.