Mehr Erinnerungen…

Februar 10, 2008 at 1:46 (Rückblicke) (, , )

Sonntag, 10.02.08, 01:40 Uhr

Weihnachten 2000 in Muang Sing, Lao

Wir stehen um 7 Uhr auf und duschen gleich – es ist verdammt kalt. Es kommt mir vor, als würde es jeden Tag kälter. Wir holen uns 2 klapprige Räder, parken sie im Hof, bereiten unser Frühstück und machen uns alsbald auf den Weg. Nachdem wir 2 Dörfer und die ersten 10 km hinter uns gelassen haben, wird die Landschaft richtig urig – doch leider geht nirgendwo ein Weg ab und da es meistens leicht bergauf geht, müssen wir viel schieben (die blöden Räder schaffen kaum den kleinsten Hügel). Beim km-Stein 10 führt ein Weg hinunter ins Tal zum Fluss. Wir haben irgendwie in Erinnerung, dass noch ein breiteres, schöneres Tal kommt, fahren/schieben noch weitere 10 km, doch leider gibt’s keinen Weg mehr runter. Wir machen uns nach kurzer Rast lieber wieder auf den Rückweg. A.s Rad gibt merkwürdige Geräusche von sich, klappert mächtig, und wir haben ein wenig Angst, am Ende den ganzen Weg schieben zu müssen. Wir fahren die nun noch 5 km zu dem einzigen Pfad zurück, nehmen die Räder mit runter ins Tal und lagern uns in einer schattigen Laube. Es wird trotz Mittagszeit und strahlendem Wetter schnell zu kühl im Schatten, so bleiben wir nicht allzu lange, verzehren unser dürftiges Mahl und machen uns auf den Heimweg. In rasantem Tempo (es geht ja jetzt bergab) fliegt die wunderbare Landschaft an uns vorüber. Um ½ 3 sind wir zu Hause – noch nicht mal sehr verschwitzt, doch etwas staubig. Wir duschen noch mal mit dem eisigen Wasser, wärmen uns etwas auf und pfeifen jeder einen großen Brocken „O“ ein. Kurz vor Sonnenuntergang bringen wir die Räder zurück und kaufen uns 6 kleine Baguettes fürs Weihnachtsmahl. Wir sind irgendwie traurig bei dem Gedanken, dass wir mit dem O aufhören wollen, also dass dies das vorletzte Mal sein soll und es noch kein einziges Mal richtig (so wie früher) getörnt hat. Das Licht bleibt heute ne ½ Std. länger an, bis 21.30 Uhr. Danach schmücken wir unser Zimmer mit 5 Kerzen, sie wärmen und wir können sogar lesen und schreiben. Uns zu Überfressen brauchen wir auch keine Angst zu haben: zum Jasmintee haben wir 3 einfache Kekse gegessen – wir sind zufrieden, möchten um keinen Preis mit den Verwandten in D tauschen, ja bedauern sie geradezu. Die Vorstellung, vollgefressen vor der Glotze zu sitzen ekelt uns. Überfallartig erscheinen Bilder aus D in meinem Hirn und beängstigen mich sehr. Dankbarkeit für die Zeit, die ich außerhalb D.s mit A. in den vergangenen 21 Jahren verbringen durfte. Wir hören Radio und beobachten den dürren Gecko, der auf unserm Tisch lebt, da es keinerlei Mücken, Fliegen oder ähnliches gibt, frisst er kleine Kekskrümmel, die wir ihm hinlegen. Gegen 7 Uhr früh legen wir uns ins Bett, decken uns mit der dicken, warmen Decke zu und hören chinesische Musik…

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