Bäume…
Samstag, 23.02.08, 23:44 Uhr
Leicht erregt, nicht sehr, sind wir heute mit dem Rad zum Naturschutztag gefahren, und im Nachhinein muss ich sagen, es war richtig dorthin zu gehen. Fast alle haben uns überaus herzlich begrüßt, besonders K, Ch und E waren ganz aus dem Häuschen. Ich unterscheide jetzt die Leute, die uns gefliessentlich übersehen haben und die, die uns sofort grüßten. M ist auch gekommen und ich hatte den Eindruck, dass er nicht glücklich ist in seiner neuen Stellung. Frau S grüßte uns unsicher: sie wirkt auf keinen Falle wie die Chefin, eher wie eine der vielen Hilfskräfte. Wir haben allen mitgeteilt, dass die Entfristung durch ist und sie können sich nichts Schöneres vorstellen, als A. wieder auf seinem alten Platz zu sehen. Ob es dazu kommen wird? Ich glaube eher nicht!
Anschließend haben wir uns noch die Pappeln angesehen, die gefällt werden sollen. Sie
sehen sehr erhaben aus – das darf einfach nicht passieren. Wir müssen es verhindern! Für die Bäume lohnt es sich zu kämpfen!
Am Dienstag verlasse ich meinen Liebsten für ein paar Tage, und je näher die Abreise rückt, desto trauriger werde ich, bin ja nur Halb ohne ihn…
Exzesscharakter
Donnerstag, 21.02.08, 02:09 Uhr
Wir sind Exzesscharaktere, doch ich liebe das Exzessive, nichts ist mir öder als die täglichen Alltagsbanalitäten oder stumpfsinnige Routine; jede vergeudete, verplapperte Stunde tut mir weh!
Die Zeit rast dahin, mir ist völlig unverständlich, wie man welche zum Plappern, Karten spielen oder ähnlichem erübrigen kann.
Am besten fühle ich mich im Meer; leicht, fast wie in meinem Element. Wenn wir dann nach 4 – 6 Stunden Schnorcheln und Tauchen aus dem Wasser steigen, lastet mein Körper wie Bleigewichte auf mir, fühle mich dann sehr plump und unwohl.
Im Wasser habe ich ein Gefühl der Kraft und Stärke, das ich sonst nie habe. Wenn ich runtertauche und beim Hochtauchen die wunderbare Unterwasserwelt betrachte: großes Glücksgefühl!
Nervende, banale Menschen
Versuche immer – ohne dies zu wollen – ihnen das Gefühl zu geben, doch wichtig und ganz zu sein. Ich glaube, es ist einfach Feigheit, dass ich meistens so zart mit Menschen umgehe oder auch Ungeübtheit.
Mir fällt der sehr dünne Typ mit der riesigen Nase aus Iboih ein, den wir „Bleistift“ getauft haben. Ich erinnere mich an einen Abend im Restaurant:
Mir gegenüber sitzt ganz alleine am großen Tisch der Bleistift mit dem Raubvogelgesicht. Ich komme nicht umhin, ihn verstohlen zu beobachten. Er redet mit sich selbst, schlägt ständig nach Moskitos und anderen Insekten, versucht eine Katze zu verscheuchen, die wenig von ihm beeindruckt ist, beim Nachbestellen oder Zucker geben lassen vom Nebentisch braucht er jedes Mal mehrere Anläufe. Streicht sich dann, wenn er nicht gehört wurde, verlegen über die Glatze und rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Er wirkt auf mich als würde er sich total unwohl in seiner Haut fühlen. Er guckt meistens knapp an mir vorbei, doch für ein paar Sekunden ruhen seine Augen in meinen: ich bin wie gebannt, er hat ganz dunkle, leuchtende Augen, die dicht zusammen stehen, dazwischen die sehr feine riesige schnabelähnliche Nase. Ich habe intensiv das Gefühl, dass ein Raubvogel mich anschaut, auf keinen Fall ein Mensch. Ich bin elektrisiert, es ist nicht unangenehm, nur ungewohnt. Zu Hause muss ich lange über den armen Bleistift nachdenken, man kann ihn wirklich nicht hässlich im landläufigen Sinne nennen, eher ungewöhnlich.
Bürgerengagement?
Samstag, 16.2.08, 15:37 Uhr
Endlich mit K telefoniert, sie beglückwünscht uns zu unserem Erfolg in der Arbeitsgerichtsache, ist mit uns einer Meinung, dass die neue Geschäftsführerin regelrecht schädlich für den Verein ist und vom Naturschutz keine Ahnung hat. Mittlerweile sind alle Mitarbeiter der gleichen Meinung (außer ihrer linken Hand, die nie etwas sagt, nur blöde grinst) und sie würden sich freuen, wenn wir zurückkämen, was zumindest in meinem Fall ausgeschlossen ist. Sie lädt uns zu Exkursionen und vor allem zur Wochenendfahrt mit der Bezirksgruppe ein und wünscht uns ansonsten viel Kraft und Glück bei unseren arbeits- wie erbschaftsrechtlichen Streitigkeiten. In der Erbschaftsangelegenheit haben wir jetzt vom Ortsgericht erfahren, dass das Inventar, sowie Auto etc. überhaupt nicht in Betracht gezogen wurde – super! Es wird Zeit, dass wir uns um einen Gutachter kümmern.
Die Bürgerbeteiligung ist ne Farce, die Bürger sollen über den Haushaltsplan 2009 mitbestimmen. Themen und Ideen werden gesammelt, es waren vielleicht 20 Bürger da, ansonsten Mitarbeiter der Ämter – wenigsten kamen unsere Vorschläge auf der Topliste unter die ersten 5. Bürgermeister Schulz redete nur wirr und die Baustadträtin machte sich schnell davon, ehe A sie ansprechen konnte.
Die 2. Sitzung des Arbeitskreises „Kurzfristige Maßnahmen“ am Donnerstag fing für mich persönlich atemlos und krass an, da ich (wir sind mit Rad gefahren) A verloren und mich heillos verirrt habe und so ne ½ Stunde später kam und leider – man kann es kaum glauben – ist auf der Heimfahrt das selbe passiert und ich irrte im Dunkeln, das Licht von meinem Rad ist zu allem Unglück auch noch ausgefallen, über ne Stunde in Kreuzberg rum, war schon nahe am verzweifeln. Tja, mein nicht vorhandener Orientierungssinn – schon echt peinlich!
Zum Inhaltlichen: Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich viel für unsere Sache erreicht haben… Auch hier glaube ich langsam, dass wir als „Bürger“ nicht wirklich ernst genommen werden, doch was bleibt uns für eine Alternative wenn wir aussteigen?
Gestern endlich mit dem Schwesterleben telefoniert, es geht ihr etwas besser, zumindest ist das Kotzen weg und psychisch macht sie einen stabileren Eindruck. Morgen muss sie ins Krankenhaus, ich werde versuchen, sie heute telefonisch noch ein bisschen aufzubauen, zu beruhigen.
Arbeitsgericht und mehr
Dientstag, 12.02.08, 19:27 Uhr
Das Arbeitsgericht haben wir überstanden – lief sehr gut. Wir hatten das große Glück, dass eine Schulklasse, Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren, teilnahm, die mir mit Blickkontakten ihre Solidarität bekundeten und uns zum Abschied viel Glück wünschten. Die Richterin ist jung und wendet sich A. immer freundlich lächelnd zu, ja als unser Anwalt zu A.s Schreiben entschuldigend meint, dass dies ja wohl in einem Zustand der Verärgerung geschrieben wurde, meint sie milde lächelnd: „Doch wohl eher Enttäuschung als Verärgerung!“
Mit ziemlicher Sicherheit kommt die Entfristung durch und wir werden klagen, egal was es uns kostet. Der Anwalt der Gegenseite machte einen inkompetenten, ja wirren Eindruck, begründet jetzt die Entlassung nur noch mit A.s Alter. (Dieser rotgesichtige, weißhaarige Zausel ist mindestens zehn Jahre älter!) A. ist ruhig, leise aber bestimmt und wirkt sehr glaubwürdig, auch unser Anwalt hat mir heute gefallen; während die Gegenseite – ich bin ziemlich sicher – keine Sympathien hatte, weder von Seiten des Gerichts und schon gar nicht bei den SchülerInnen. Als sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, gehen wir mit unserem Anwalt auf den Gang, besprechen uns kurz, und entschließen uns auf Wiedereinstellung zu klagen – wir haben gute Chancen. Die Richterin macht einen Vorschlag auf Abfindungszahlung, der Anwalt der Gegenseite bleibt 500 Euro darunter und nachdem A. sich nicht einverstanden erklärt, legt er noch 500 drauf. A. meint nur: „Wir sind doch hier nicht auf dem Basar!“ Alle lachen inklusive Richterin, Beisitzer und Protokollführerin. Die Gegenseite entblödet sich nicht „O doch, wir verhandeln doch jetzt“, zu sagen. Unser Anwalt nun ganz souverän: „Mein Mandat lehnt das Angebot ab.“ Die Richterin abschließend: „Vielleicht können sich die Parteien ja mal aussprechen und gelangen so zu einer Einigung.“ Während die Geschäftsführerin wild den Kopf schüttelt (was keinen guten Eindruck auf das Gericht macht), meint A. nur: „Das wäre ja mal was ganz Neues.“
Ich hatte mich vor diesem Tag gefürchtet und bin jetzt richtig ein bisschen euphorisch.
Die Entgegnung auf R.s Email ist abgeschickt, und auch da hat A. den richtigen, kalten Ton getroffen. Es ist unglaublich, was R. uns für ein Angebot macht: er präsentiert uns die Schätzung des Ortsgerichts und zieht von dieser lächerlichen Summe alle Bausparvertragsauszahlungen inklusive Überweisungen an die Mutter aus ‘96 ab. Wenn es nicht so traurig wäre, würden wir lachen, die Bausparverträge hat die Mutter bezahlt und Geld das sie ihr überwiesen haben, schuldeten sie ihr mit Sicherheit oder haben es später wiederbekommen. Tja, nun müssen wir tätig werden, uns einen vernünftigen Gutachter suchen.
Unser K-Gruppentreffen gestern war recht fruchtbar, ein TFH-Professor erklärte uns die Varianten der Kanalsanierung und auch morgens die Begehung mit dem WSA und Leuten von der TU verlief zufrieden stellend. Hoffentlich geht es mal ne Weile so weiter…
Etwas ruhiger werde ich erst sein, wenn meine Lieblingsschwester ihre Bandscheiben-OP hinter sich hat. Mittwoch, also morgen, ist angedacht – ich telefoniere täglich mit ihr und versuche sie aufzubauen, was auch ganz gut klappt. Heute war sie nervös und ängtlich und hatte auch größere Schmerzen. Sie bedankt sich jedes Mal bei mir für mein Interesse und meine Unterstützung, was mir einigermaßen peinlich ist. Im Grunde ist es doch eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich mag. Sie ist auch mehr Freundin als Schwester für mich. Nach ihrer OP werde ich sie besuchen, leider wohnt sie nicht in Berlin und ich habe einen langen Anfahrtsweg.
Schreckensdaten
30.11.92 Mein Mütterchen ist gestorben, 70-jährig.
April 95 Während ich mich auf Reisen befinde, ist Siggi an offener TB gestorben.
25.08.01 Um 14 Uhr ist mein Väterchen gestorben; um 19 Uhr Radi, beide 67 Jahre.
8.01.06 A letztes Mal C!
15.02.06 B letzten Mal C!
16.02.08 Holger hat ne Überdosis gespritzt und liegt im Koma.
08.03.06 Holger ist tot – um 13 Uhr gestorben, er wurde nur 37 Jahre. R. ist untröstlich, sie hat einen Sonnenstrahl abbekommen, der für immer erloschen ist. – Sie war so glücklich, doch wie konnte sie nicht merken, dass er süchtig ist.
30.11.06 Margitta ist gestorben, 79-jährig.
21.12.08 Mein Bruder B ist gestorben, er wurde nur 63.