Die giftige Zeit
21.11.00
Leben in BKK: dreckige Luft, Zigarettensucht, spät ins Bett gehen, spät aufstehen, ab mittags unerträgliche Hitze im Zimmer, die bis nachts anhält, wenig Bewegung, durch smoggeschwängerte Straßen quälen, superscharf essen – ich nenne sie „die giftige Zeit“! Doch heute ist der Himmel zeitweilig bedeckt und drinnen und draußen erträglich; die lauten blödsinnigen Israelis linker Hand sind abgehauen, jetzt hoffen wir noch auf die Abreise des abnormalen englischen Paares (sie küssen sich auf eine widerwärtige schmatzende Weise von früh bis spät) von gegenüber. – Wir haben uns nach langem Überlegen für Laos entschieden; zu all den anderen Gründen, nicht nach Burma zu fahren, kommt noch die Geldfrage hinzu: 1. man kann nur per Flieger einreisen, 2. sind die Visa teuer und sie wollen nur Dollar, 3. die billigen Hotels sind für Ausländer verboten (wahrscheinlich kann der Schweinestaat dort nicht genug abkassieren). Es ist sicher besser, dort jetzt nicht hinzufahren, zumal sie Aung San Suuki immer noch bewachen. – Mühsam versuchen wir uns auf unseren Lesestoff zu konzentrieren: es fällt schwer, das küssende Liebespaar überschreit unser Radio. Gegen 1 legen wir uns schlafen, doch wir werden bis 5 Uhr früh immer wieder von heimkehrenden Idioten geweckt…
25.11.00
Ich komme mit A.s Temperament nicht mehr klar!?!
Wir packen die Sachen, die wir im A. G. gebunkert hatten, endlich aus. Wir versprechen, uns wieder zu vertragen, mehr umeinander zu bemühen… abends am Fluss: Tanz, Aerobic, Picnic; uns hält’s nicht lange. Ich bin traurig, unser 2. Fest ist auch irgendwie misslungen. Zu Hause: um 20 Uhr gute Musik im Radio; es klopft, die Deutsche von gegenüber steht vor der Tür und meint, wir sollten das Radio ausmachen(?)! Wir sind baff, was sind wir hier schon, zu jeder Uhrzeit, gestört worden, und ausgerechnet Deutsche, die gerade mal 2 Tage hier weilen, denken sie könnten unser Abendprogramm bestimmen. Sie erlaubt sich auch noch zu sagen, dies sei ein Guesthouse und wir könnten ja woanders hingehen! Horror vor Deutschland!!! Ich lese Lettre, sacke immer wieder weg, mache meinen eigenen Text, sehe ganze Filme… nachts gewaschen. Spät legen wir uns schlafen, doch es dauert nicht lange, da kommen die Damen von nebenan lärmend nach Hause, lachen überlaut und anhaltend. A. klopft kurz an und sagt ihnen in freundlichem aber bestimmten Ton, dass wir jetzt schlafen möchten. Gegen 3 Uhr ist endlich Ruhe…
26.11.00
Um 7 weckt uns ein jammervolles Gestöhne und sogar Aua-Rufe, dann unterdrücktes Gewimmer etc.; es dauert eine ganze Weile, ehe wir kapieren, dass die Deutschen von Gegenüber, dieselben, die gestern um 8 Uhr das Radio aushaben wollten, offenbar vögeln. A. geht raus und es ist ruhig, im Bad trifft er den Typ, der sich mit zackigen Bewegungen rasiert (direkt nach dem Vögeln?), während ich die Mutter leise schluchzen höre. Uns überkommt ein richtiger Ekel, wir müssen erst mal eine rauchen… bleiben dann trotz Unruhe im Gang und Türen schlagen bis fast 11 Uhr liegen. Nach dem Breakfast schreibe ich einen langen Brief an R. – zwischendurch kochen wir uns was. Um 18 Uhr gehen wir raus 17 l Wasser holen (A. schleppt alles alleine). Im Moment verstehen wir uns gar nicht – das ist immer am schlimmsten – macht mich so hoffnungslos und ängstlich. Wir haben ne ½ Std. die einzige gute Musiksendung verpasst. A. tritt gegen den Schrank, schreit mich an: „Du hast dich ja noch nie für Musik interessiert!“ Das verletzt mich unheimlich – große Trauer…
Um 23.00 gehen wir raus, essen auf der K.S. Road paar Nudeln, rauchen noch eine bei der weißen Burg, beobachten, wie ein Flüchtender (er ist mit seinem Moped gegen ein Taxi gefahren) geschnappt wird. Zu Hause essen wir um 1 Uhr noch Pudding und trinken Kaffee. Zur Abwechslung haben wir jetzt einen Schnarcher gegenüber.