Nur Gedanken…
Montag, 28:01.08, 2:01 Uhr
Ich denke man sollte seinen angefangenen Weg zu Ende gehen, doch welches ist eigentlich unser Weg? Früher war alles so einfach, als ich noch denken konnte, das Reisen, andere Länder kennen lernen sei ein Ziel. Zumindest wusste man, was man zu tun hat, nämlich arbeiten und Geld sparen. Wir haben keine Ziele mehr! – Wenn ich so anfange, macht doch alles keinen Sinn mehr, alles wird beliebig! Wir haben doch nur dieses eine Leben und das ist auch schon ziemlich fortgeschritten und jeden Tag kann noch eine schlimmere Wende kommen. Also bitte, versuche doch einfach aus dem was Du hast das Beste zu machen. Hört sich gut an, ist aber verdammt schwer.
Aber wir haben doch uns, sind zu zweit, sollten froh darüber sein, dass wir alles teilen dürfen, miteinander reden können, beim Einschlafen und Aufwachen uns haben. Vielen geht es doch erheblich schlechter: solange wir zusammen sein dürfen und nicht krank sind (ich meine richtig krank) will ich froh sein, nicht zufrieden (Zufriedenheit ist etwas sehr dummes und mürbes). Wenn man es richtig betrachtet, ist doch alles nicht so wichtig. Das einzige was zählt, sind die Momente! Vergangenheit, Zukunft – die haben wir doch nicht wirklich, nur den Augenblick. Es ist doch verdammt noch mal so, wenn ich mit A. ein gutes Gespräch führe, wenn wir uns verstehen, eine gute Stunde verbringen – das zählt.
Alles stirbt: die Kindheit, die Jugend – nichts besitzt man wirklich, noch nicht einmal seine Erlebnisse. Die irrsten Abenteuer haben wir erlebt, doch sie sind vergangen und wenn man darüber redet oder schreibt, merkt man wie verblasst sie sind. Hat man das wirklich erlebt oder nur geträumt oder einen Film gesehen? Zu denken, man könnte von seinen Erinnerungen zehren, ist albern.
Träumen ist wundervoll… ich liebe die künstlichen Paradiese! Was ist schöner, interessanter, wichtiger, echter? Als ich z. B. auf Hoga ganz langsam über die Zaubergärtchen der Unterwasserwelt geschnorchelt bin, an den steilen Hängen tief tief ins Kühle getaucht, überhaupt die kühlen Stellen, wo auch alles in kühlen Blau- und Grüntönen gehalten ist, die Glücksgefühle, wenn man mit einem Eagleray schwimmt und er sich immer wieder vergewissert, ob man noch da ist – oder wenn man auf „O“ still auf dem Bett liegt und unglaubliche Bilder zu einem kommen. Die schönsten Gesichter sind mir auf O begegnet, die interessantesten Gespräche habe ich, ohne mich von meinem Bett wegzubewegen oder Menschen zu treffen, geführt. Solche tiefen Erkenntnisse, Glücksgefühle, dass ich dachte, jetzt getrost sterben, weil mehr, besseres, schöneres nicht mehr kommen könne. Wer will dies messen. Ich habe schon Bücher gelesen und mit geschlossenen Augen meinen eigenen Text gemacht, der interessanter war als der wirkliche.
Oft und oft frage ich mich, warum man sich über Banalitäten aufregt, Kleinigkeiten wichtig nimmt; alles wird als Ablenkung benutzt, um nicht über das einzig Wichtige nachzudenken. Wir können studieren und forschen, uns einmischen, vieles lernen…
Doch was ist der Mensch für ein armer Wicht: es erwartet ihn etwas, das er nicht kennt, nicht durch noch so fleißiges Lernen ergründen kann. Es ereilt uns alle und keiner weiß, wann er dran ist – von diesem Gedanken will man sich ablenken. Ich staune immer wieder über Menschen, die 70 / 80 Jahre alt sind und planen, reden als hätten sie noch alles vor sich. Man muss sich dumm stellen können.
Ich will versuchen, wieder eine gute Schauspielerin zu sein, konnte es schon mal besser. Ich erinnere mich, dass ich früher manchmal spielte, es ginge mir gut, ich wäre fröhlich etc. und es hat etwas Farbe auf den tristen Alltag gestreut.
„Menschlein was rennst Du, Dein Ziel ist der Tod„
Geburtstag
Donnerstag, 24.01.08, 19:17 Uhr
Tja, wie vorausgesehen, die Stimmung ist nicht gut. A. hat alleine das Frühstück gemacht und mich nicht wachbekommen, musste 3 Mal rufen. Und ich, schlechter Stimmung, denke nur daran was zu törnen.
Ich bin egoistisch, dumm, faul und habe einen Suchtcharakter… weiß nicht wie wir jetzt A.s Geburtstag noch schön verbringen sollen. Kino? Will er nicht! Groß essen gehen? Auch nicht! Würde uns heute auch nicht bekommen. Der happy tea wirkt auch nicht und die extra Portion Tr erst recht nicht…
Vielleicht entwickelt sich noch ganz unerwartet was, habe aber keine Hoffnung.
2:00 Uhr früh: Je später der Abend, d. h. die Nacht um so besser wird es – also doch noch einen interessanten Geburtstag verbracht, wir beide ganz alleine, aber wenn wir uns verstehen, einig sind, nicht streiten, brauchen wir keine anderen Menschen – sind uns selbst genug.
Wieder genauer hinsehen
Sonntag, 20.01.08, 23:44 Uhr
Nächste Woche hat mein Liebchen Geburtstag, ich habe noch kein Geschenk und weiß auch nicht, wie den Tag besonders gestalten. Nur nichts vornehmen, sonst wird er so öde wie die meisten Geburtsage.
Brauch nur an Weihnachten, Silvester und die Tage dazwischen zu denken – habe mich drauf gefreut, vorher wieder gedacht (wie kann man eigentlich so blöd sein?), wir würden ganz bestimmt was ganz besonderes machen und alles würde supertoll. Je mehr ich mich darauf freue, umso trostloser wird es – da schlägt mir das Schicksal immer ein Schnippchen.
Hätte mich schon gerne ein kleines bisschen mehr in der Hand, würde schon gerne nur ein klitzekleines bisschen meinen Anweisungen folgen. Schaff ich einfach nicht. Ja, es wird immer schlimmer, ich trickse mich selbst aus.
Heute bin ich so gefrustet von mir, dass ich es für unwahrscheinlich halte, dass man mich lieben kann, wert auf meine Gesellschaft legt. Gerne wäre ich ein bisschen fröhlicher, könnte A. und andere mitreißen – haha!
Möchte gerne wieder so mutig sein und soviel Kraft haben wie damals auf Reisen, als ich auf den Philippines einmal ganz alleine im Meer geschnorchelt bin und stundenweg von unserer Hütte einen Riesenhai getroffen habe (sind ja völlig harmlos) und mich wie ein Zwerg fühlte, oder wie wir täglich getaucht sind ohne jegliche Gerätschaft 20 Meter tief, unsere Begegnungen im Dschungel mit Elefanten, Bären, Königskobra etc. pp.
In Ko Surin bei den Bootstrips zu den Sharkinselchen, wo man echt umzingelt ist von Haien, war ich meist die einzige Frau an Bord. Du warst richtig stolz auf mich. Oder mit dem Cargo-Ship von Sulawesi nach Davao, wo auf offener See der Motor kaputt ging… ich könnte immer so weiter aufschreiben, tausend Geschichten fallen mir ein, doch sie machen mich melancholisch.
Ja, wir sind gestrandet, doch mein Gejammer nützt keinem. Ich sollte wieder anfangen, alles ganz genau zu betrachten. Im Frühling… im Wald… und Dich!
Fremdheit und Nähe
Freitag, 18.01.08, 22:41 Uhr
Andere Menschen bleiben mir immer fremd! Außer A. ist mir bis heute niemand wirklich näher gekommen, noch nicht mal meine Schwester. Sie denkt zwar, sie würde mich sehr gut kennen, vielleicht stimmt es ja, doch mir ist sie nicht vertraut, trotzdem ich sie liebe und wahnsinnige Angst um sie hatte, als sie operiert wurde, und mit ihr gelitten habe, als sie Schmerzen hatte.
Heute Ursula, die grauhaarige Architektin, mit ihrer Theorie, wir hätten einen Spion in unserer Gruppe, wieso eigentlich keine Spionin? Wir sind immerhin mehr Frauen als Männer! Wir sitzen 1 ½ Stunden zusammen im Cafe und reden über wichtige Dinge, A. ist ganz bei der Sache, doch ich schweife immer wieder ab, beobachte die anderen: eine hässliche etwa 30-jährige wartet lesend, später kommen nacheinander noch drei andere, ähnlich aussehende Frauen, umarmen sich freudig und speisen miteinander – sie haben offensichtlich großen Spaß miteinader. Am Nebentisch sitzen ältere EngländerInnen, die schon die 3. Flasche Wein geordert haben. Das im abgeteilten, aber offenen schmalen Raucherabteil sitzende Publikum unterscheidet sich wesentlich von den Nichtrauchern: sie reden viel angeregter, sehen entspannter aus, schauen aber ab und zu schuldbewusst zu uns rüber – ich überlege die ganze Zeit ob ich mal rüber gehen soll, ein paar Züge rauchen, lasse es aber. Der Kellner geht auch eine rauchen und zwinkert mir zu?! Ich überlege schon, wie wir uns höflich davonstehlen können, da holt Ursula Geld hervor und meint: „ich lade Euch ein“! Wir lehnen beide ab, aber nicht sehr bestimmt und lassen sie schließlich gewähren. Wir gehen noch gemeinsam, sie Rad schiebend, bis zur Straßenecke und verabschieden uns mit ein paar Floskeln.
Heute bin ich richtig ein bisschen euphorisch, weiß nicht genau warum; gestern um diese Zeit war ich mir selbst ne Last, wie muss es erst für A. gewesen sein. Dass er es all die Jahre mit mir ausgehalten, geduldig all meine Macken ertragen hat, finde ich manchmal schon erstaunlich.
Die giftige Zeit
21.11.00
Leben in BKK: dreckige Luft, Zigarettensucht, spät ins Bett gehen, spät aufstehen, ab mittags unerträgliche Hitze im Zimmer, die bis nachts anhält, wenig Bewegung, durch smoggeschwängerte Straßen quälen, superscharf essen – ich nenne sie „die giftige Zeit“! Doch heute ist der Himmel zeitweilig bedeckt und drinnen und draußen erträglich; die lauten blödsinnigen Israelis linker Hand sind abgehauen, jetzt hoffen wir noch auf die Abreise des abnormalen englischen Paares (sie küssen sich auf eine widerwärtige schmatzende Weise von früh bis spät) von gegenüber. – Wir haben uns nach langem Überlegen für Laos entschieden; zu all den anderen Gründen, nicht nach Burma zu fahren, kommt noch die Geldfrage hinzu: 1. man kann nur per Flieger einreisen, 2. sind die Visa teuer und sie wollen nur Dollar, 3. die billigen Hotels sind für Ausländer verboten (wahrscheinlich kann der Schweinestaat dort nicht genug abkassieren). Es ist sicher besser, dort jetzt nicht hinzufahren, zumal sie Aung San Suuki immer noch bewachen. – Mühsam versuchen wir uns auf unseren Lesestoff zu konzentrieren: es fällt schwer, das küssende Liebespaar überschreit unser Radio. Gegen 1 legen wir uns schlafen, doch wir werden bis 5 Uhr früh immer wieder von heimkehrenden Idioten geweckt…
25.11.00
Ich komme mit A.s Temperament nicht mehr klar!?!
Wir packen die Sachen, die wir im A. G. gebunkert hatten, endlich aus. Wir versprechen, uns wieder zu vertragen, mehr umeinander zu bemühen… abends am Fluss: Tanz, Aerobic, Picnic; uns hält’s nicht lange. Ich bin traurig, unser 2. Fest ist auch irgendwie misslungen. Zu Hause: um 20 Uhr gute Musik im Radio; es klopft, die Deutsche von gegenüber steht vor der Tür und meint, wir sollten das Radio ausmachen(?)! Wir sind baff, was sind wir hier schon, zu jeder Uhrzeit, gestört worden, und ausgerechnet Deutsche, die gerade mal 2 Tage hier weilen, denken sie könnten unser Abendprogramm bestimmen. Sie erlaubt sich auch noch zu sagen, dies sei ein Guesthouse und wir könnten ja woanders hingehen! Horror vor Deutschland!!! Ich lese Lettre, sacke immer wieder weg, mache meinen eigenen Text, sehe ganze Filme… nachts gewaschen. Spät legen wir uns schlafen, doch es dauert nicht lange, da kommen die Damen von nebenan lärmend nach Hause, lachen überlaut und anhaltend. A. klopft kurz an und sagt ihnen in freundlichem aber bestimmten Ton, dass wir jetzt schlafen möchten. Gegen 3 Uhr ist endlich Ruhe…
26.11.00
Um 7 weckt uns ein jammervolles Gestöhne und sogar Aua-Rufe, dann unterdrücktes Gewimmer etc.; es dauert eine ganze Weile, ehe wir kapieren, dass die Deutschen von Gegenüber, dieselben, die gestern um 8 Uhr das Radio aushaben wollten, offenbar vögeln. A. geht raus und es ist ruhig, im Bad trifft er den Typ, der sich mit zackigen Bewegungen rasiert (direkt nach dem Vögeln?), während ich die Mutter leise schluchzen höre. Uns überkommt ein richtiger Ekel, wir müssen erst mal eine rauchen… bleiben dann trotz Unruhe im Gang und Türen schlagen bis fast 11 Uhr liegen. Nach dem Breakfast schreibe ich einen langen Brief an R. – zwischendurch kochen wir uns was. Um 18 Uhr gehen wir raus 17 l Wasser holen (A. schleppt alles alleine). Im Moment verstehen wir uns gar nicht – das ist immer am schlimmsten – macht mich so hoffnungslos und ängstlich. Wir haben ne ½ Std. die einzige gute Musiksendung verpasst. A. tritt gegen den Schrank, schreit mich an: „Du hast dich ja noch nie für Musik interessiert!“ Das verletzt mich unheimlich – große Trauer…
Um 23.00 gehen wir raus, essen auf der K.S. Road paar Nudeln, rauchen noch eine bei der weißen Burg, beobachten, wie ein Flüchtender (er ist mit seinem Moped gegen ein Taxi gefahren) geschnappt wird. Zu Hause essen wir um 1 Uhr noch Pudding und trinken Kaffee. Zur Abwechslung haben wir jetzt einen Schnarcher gegenüber.